Fleischlos glücklich und gesund? Vegetarische Ernährung bei der Katze
30. Juni 2009 | Veröffentlich von Lena Landwerth | Kategorie: Ernährung

Können Katzen fleischlos glücklich sein? Foto: pixelio.de, Dennis Brandt
„Löwen werden Stroh essen wie die Ochsen“ prophezeite der biblische Prophet Jesaja in seiner Endzeitvision, in der Raubtiere friedlich mit ihren ehemaligen Beutetieren auf der Weide grasen.
von Kerstin Orth
Idee mit alten Wurzeln
Dieser Gedanke von einem friedlichen Miteinander von Mensch und allen Tieren ist über 2500 Jahre alt und stand damals wie auch heute im Gegensatz zu der Nahrungskette, die von der Natur vorgegeben wird. Viele Halter von Hunden und Katzen empfinden es als moralisch schwierig, dass ihr Liebling mit dem Fleisch ernährt wird, dass von anderen, ebenso empfindsamen Tieren stammt. Aus diesem Zwiespalt nährt sich eine Bewegung, die vegetarische oder gar vegane Ernährung von Katzen und Hunden als anstrebenswertes Ziel vertritt.
„Die Katze lässt das Mausen nicht…?!“
In freier Natur würden Katzen, ebenso wie Löwen, ihre Beute selbst fangen müssen. Die meisten würden dabei wohl Kleinsäuger, Vögel, ab und an einen Fisch oder auch mal eine Eidechse als Beutetiere bevorzugen. Zwar fressen Katzen auch den Magen von Mäusen, doch der pflanzliche Anteil der Nahrung bewegt sich dennoch im unteren einstelligen Bereich. Unwahrscheinlich, dass die Samtpfote sich genüßlich an einem Möhrchen verköstigt. Da ist hochwertiges Fertigfutter augenscheinlich „naturnäher“.
„Unwahrscheinlich, dass sie eine Kuh erlegt, die in Fertigfutter enthalten ist“, werden die Vertreter der vegetarisch/veganen Katzenkost einwenden. Essentiell bedeutend ist hierbei jedoch die Tatsache, dass der Organismus der sanften Wohnzimmertiger auf eine Ernährung mit viel tierischen Proteinen ausgelegt ist. Von den Zähnen über den Magen bis zum Darm: Katzen sind auf tierische Kost gepolt. Ihr Bedarf an Proteinen und Fetten ist weitaus höher als der von Hunden.
Aber nicht nur das macht fleischhaltige Nahrung optimal für Katzen: Tierisches Fett enthält beispielsweise die wichtige Arachidonsäure und Taurin. Auch Vitamin A, das Menschen und Hunde aus der Vorstufe Karotin selbst bilden können, ist für die Augen und eine gesunde Haut unverzichtbar. Die Zusammensetzung und die Inhaltsstoffe von Fleisch, ob nun von einer Maus oder Kuh, sind also nicht nur artgerechter, sondern auch lebensnotwendig.
“Um des Fleisches willen rauben wir ihnen die Sonne, das Licht und die Lebensdauer“ (Plutarch)

Die Zubereitung von frischem Gemüse ist um einiges einfacher... (Foto: pixelio.de, E. Rose)
Warum sollte man denn überhaupt auf eine solche Idee kommen und Katzen vegan oder vegetarisch ernähren wollen?
Für diese Entscheidung kann es mehrere Gründe geben, zum Beispiel (nach zahlreichen „Fleischskandalen“ mit Gammelfleisch) grundsätzliches Misstrauen gegenüber fleischlicher Kost.
In erster Linie spielen aber meist ethische Bedenken eine Rolle. Diese Tierhalter sind selbst Vegetarier oder Veganer und generell gegen die Ausbeutung von Tieren. Manche Vertreter der veganen Katzenfütterung räumen auch ein, dass vegane Katzenernährung nicht das optimale für Katzen ist, sehen es jedoch von zwei Übeln als das Kleinere an. Denn die Selektion mancher Tiere als Nutztiere zum Fleischgewinn ist für sie inakzeptabel.
Manche gehen noch einen Schritt weiter und raten von Katzenhaltung ab, nehmen jedoch Tiere aus Tierheimen als Opfer der „Versklavung“ auf. Die Autoren von www.vegane-katzen.de bezeichnen die Domestizierung der Katze als „traurigen Prozess“, der Katzen vom Menschen abhängig machte. Diese Katzen dann vegan zu ernähren ist für sie die einzig moralisch vertretbare Möglichkeit. Nun werden manche von Ihnen diesen Gedankengängen gar nicht folgen wollen, aber alle Katzenhalter sollten sich kritisch fragen, was das Schlachten eines Tieres wegen seines Fleisches rechtfertigt. In anderen Kulturen landen Meerschweinchen, Katzen und Hunde auf dem Tisch - auch Katzen sind also woanders Nutztiere. Warum berührt uns ihr Leid mehr als das einer Kuh?
Morgens Kichererbsen, abends Haferflocken?

...als die vom rohem Fleisch. Foto: pixelio.de, J.P.Meister
Wie sieht vegetarische oder vegane Katzenernährung in der Praxis aus? Den Hauptbestandteil bilden pflanzliche Eiweiße, diverse Getreide, Öle, Hefen und zugesetzte Stoffe wie Taurin.
In speziellen Internet-Shops kann man veganes Trockenfutter sowie Nassfutter kaufen. Hier gibt es sowohl Alleinfuttermittel als auch verschiedene Futtersorten, die mit Ergänzungsmitteln wie zum Beispiel „Vegecat“ versehen werden müssen. In beiden Fällen sind die Stoffe, die die Katze nicht aus der pflanzlichen Kost gewinnen kann, synthetisch beigefügt. Den meisten Katzenhaltern erscheint diese Art der Ernährung befremdlich, zumal hochwertige Katzennahrung sich durch einen hohen Fleischanteil auszeichnet.
Auf diversen Seiten präsentieren Anhänger der veganen Katzenfütterung Katzen, die ausschließlich vegan ernährt werden und sich bester Gesundheit erfreuen. Mag eine Minka damit auch 18 Jahre alt geworden sein - statistisch relevant ist es nicht und Langzeitstudien liegen ebenfalls nicht vor. Wer sich bewusst für Katzenhaltung entscheidet, dessen Pflicht ist das Bereitstellen gesunder Kost. Ob diese durch vegane oder vegetarische Fütterung jedoch gewährleistet sein kann, scheint fragwürdig.
Ungenehmigter Tierversuch
Die Lehrstuhlinhaberin für Tierernährung an der Universität München, Professor Doktor Ellen Kienzle, vertritt einen deutlichen Standpunkt: „Ich bin nach wie vor der Meinung, dass vegetarische und ganz besonders vegane Katzenernährung in der Hand von Laien als ungenehmigter Tierversuch anzusehen ist. Es kommt ja nicht nur darauf an, dass die Katzen alle Nährstoffe wie z.B. Taurin erhalten, sondern auch in der richtigen Dosierung - und dass diese Nährstoffe auch verfügbar sind. Hier hat es in der Vergangenheit Überraschungen gegeben - und es ist sehr wahrscheinlich, dass es diese bei veganer Ernährung ebenfalls gibt.
Damit ist vegane Ernährung von Katzen aber einem Tierversuch vergleichbar. Übrigens, kein Tier wird wegen Katzenfutter geschlachtet. Im Katzenfutter sind Bestandteile, die von Menschen heute kaum noch verzehrt werden, die sozusagen übrig sind, z.B. Organe wie Herz, Lunge, Niere u.ä. Ein vernünftiger Grund für vegane Katzenernährung ist somit schwer zu finden.“
Und die Moral von der Geschichte?

Katzen sind Jäger - die vegetarische Ernährung sollte darum Kaninchen vorbehalten sein. Foto: Nadine Müller www.cat-passion.ch
Aufgrund der Risiken, die eine vegane oder vegetarische Ernährung mit sich bringen kann, ist diese für Katzen nicht empfehlenswert. Dennoch sind die Argumente der Tierschützer und Tierrechtler nicht von der Hand zu weisen.
Bei manchen Futtersorten, zum Beispiel bei solchem mit 100 Prozent Hühnerfleisch aus Thailand - sehr verbreitet - , erscheint es auch fragwürdig, dass die Hühner nicht für das Produkt geschlachtet wurden, schließlich handelt es sich ausschließlich um Muskelfleisch. Eine Alternative sind hier eventuell Bio-Produkte, bei denen eine artgerechte Haltung der Tiere gewährleistet wird. Katzen sind Raubtiere und haben keine moralischen Skrupel, was das Töten von Tieren angeht. Wir Menschen sollten aber kritisch hinterfragen, wer letztendlich unter welchen Bedingungen in Miezes Napf landet.
Info: Vegetarische versus vegane Ernährung
Anhänger vegetarischer Ernährung verzichten auf den Verzehr von Fleisch und Fisch.
Veganische Ernährung geht darüber hinaus: Neben Fleisch und Fisch darf hier auch kein anderes Produkt tierischer Herkunft auf dem Speiseplan stehen, wobei es mehrere Abstufungen gibt. In strengster Form bedeutet dies den Verzicht auf alle Milchprodukte, Eier und Honig. Oft wird auch jedes andere Produkt tierischer Herkunft wie Daunen, Schafwolle und Leder abgelehnt. Die Ausbeutung von Nutztieren soll hierbei in jeder Hinsicht vermieden werden.

Das Wort- veganische- Ernährung gibt es nicht. Es heißt vegane Ernährung.
Bei Menschen, die vegan leben gibt es keine “Abstufungen”!
Entweder man lebt vegan, oder man lebt nicht vegan!
Es gibt allerdings Psydoveganer, die sich da etwas “zurecht biegen”.
Mit freundlichen Grüssen.