Wenn die Mieze zum Arzt muss: Krankenversicherung für das Tier – muss das sein?

8. Dezember 2009 | Veröffentlich von Lena Landwerth | Kategorie: Katzenleben

Foto: Tim Reinhart, pixelio.de

Foto: Tim Reinhart, pixelio.de

Einen Moment nicht aufgepasst, unters Auto gekommen, mit dem Nachbarskater gestritten oder auch nur eine Infektionskrankheit – beim Tierarztbesuch können schnell einige Tausend Euro zusammenkommen. Mit speziellen Tierkrankenversicherungen kann sich der Katzenhalter zumindest zu einem kleinen Teil absichern. Doch lohnen sich die Angebote?

von Lena Landwerth

Es sind Momente, vor denen sich kein Katzenhalter schützen kann: Wenn Lucky auf drei Beinen nach Hause kommt oder Shiela ganz apathisch ist, wird es meistens teuer. 800 EUR für die Behandlung eines Knochenbruches, 400 EUR für eine Schwanzamputation, knapp 130 EUR für Medikamente und Untersuchung einer Mandelentzündung – Tierarztbesuche reißen oft ein Loch in die Haushaltskasse des Katzenhalters. Darum wird lieber dreimal überlegt, bevor zum Telefonhörer gegriffen und ein Termin vereinbart wird. Doch wer ein Tier bei sich aufnimmt, muss nicht nur für Futter und Katzenstreu sorgen, sondern auch für regelmäßige Gesundheitsvorsorgen und Tierarztbesuche im Notfall. Sind die eigenen Kinder krank, würde wohl kaum jemand darüber nachdenken, ob er nun zum Arzt geht oder nicht – wer krank ist, wird behandelt. Dafür sorgt das deutsche Gesundheitssystem. Auch, wenn wir alle über die hohen Krankenkassengebühren schimpfen, sind wir doch froh, dass wir im Falle des Falles auf medizinische Hilfe bauen können.

Das haben sich einige Versicherungen zum Vorbild genommen und bieten spezielle Krankenversicherungen für Tiere an. Der Besitzer zahlt monatlich einen kleinen Betrag ein, dafür übernimmt die Versicherung einen Teil der Tierarztkosten im Krankheitsfall. Dr. Karl-Walter Gutberlet, Vorstand der Allianz Versicherungs-AG, geht von einer großen Nachfrage von Seiten der Tierhalter aus: „In Deutschland hat bisher nur ein Prozent aller Hunde- und Katzenhalter eine solche Police abgeschlossen. Im Vergleich dazu verfügt beispielsweise in Schweden jeder zweite Hundebesitzer über eine Tierkrankenversicherung.“ Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Tier wirklich einmal medizinische Hilfe benötigt, gar nicht so gering: Laut Angaben des Marktforschungsinstituts GfK wurde bei jedem siebten Vierbeiner schon einmal ein operativer Eingriff durchgeführt. Die medizinischen Möglichkeiten steigen, hiermit aber auch die Kosten für den Halter. Doch wer will sein Tier schon leiden lassen, nur weil es in der Kasse gerade knapp wird? Lohnen sich die neuen Versicherungen denn überhaupt?

Eine Tierkrankenversicherung kann im Notfall den eigenen Geldbeutel schützen. Doch den Service gibt es nicht umsonst... Foto: Peter Kirchhoff, pixelio.de

Eine Tierkrankenversicherung kann im Notfall den eigenen Geldbeutel schützen. Doch den Service gibt es nicht umsonst... Foto: Peter Kirchhoff, pixelio.de

Prüfe, wer sich ewig binde – das gilt auch in Sachen Tierkrankenversicherung. Denn mit der Unterschrift unter dem Vertrag ist ein bestimmter Betrag in Monat angelegt – wird das Tier nicht krank, ist dieser Betrag natürlich verloren. Und wenn das Tier krank wird? Hier unterscheiden sich die verschiedenen Versicherungen und ihre Tarife. Wichtig zu wissen: Tierkrankenversicherungen übernehmen nur einen Maximalbetrag im Jahr an Tierarztkosten, oft wird hier auch nur der ein- oder zweifache Satz der Gebührenordnung der Tierärzte erstattet. Dabei können Tierärzte bis zum dreifachen Satz berechnen – die Differenz muss der Katzenhalter zahlen. Bei der Uelzener hat der Tierhalter die Wahl, ob er die Krankenversicherung für den ein- oder zweifachen Satz der GOT abschließt, natürlich richtet sich hiernach auch die Versicherungsprämie pro Monat. Zudem kann es einen bestimmten Eigenanteil geben. Auch mit einer Tierkrankenversicherung kann es im Krankheitsfall also teuer werden – der Katzenhalter allein trägt aber nicht das ganze Risiko. Für Medikamente und Operationen ist je nach Vertrag ein bestimmter Betrag vorgesehen, die Allianz zum Beispiel zahlt bis zu 1.000 Euro im Jahr für Medikamentenbehandlungen und bis zu 3.000 EUR für Operationen. Prevet bietet verschiedene Versicherungstarife an, beim Basis-Schutz übernimmt die Versicherung bis zu 1.500 Euro Tierarztkosten im Jahr, beim Optimal-Tarif bis zu 3.000 EUR. Die Versicherung übernimmt auch einen Teil der Kosten von Vorsorgemaßnahmen wie Zeckenmittel oder Impfungen und 25 EUR bei Gesundheitsuntersuchungen sowie je nach gewähltem Tarif auch einen Teil der Kastrationskosten.

Bei der Agila steigt die Versicherungssumme um 100 EUR pro Jahr, wenn im vorhergehenden Kalenderjahr keine Leistungen in Anspruch genommen wurden – Vorsorgemaßnahmen sind hier ausgeschlossen.
Wer auf Nummer Sicher gehen will, kann auch eine zusätzliche OP-Versicherung abschließen, die bis zu 100 Prozent der Operationskosten übernimmt, und zwischen verschiedenen Zusatzversicherungen wählen. Beim Plus-Tarif von Prevet ist zum Beispiel eine Urlaubsstornokosten-Versicherung, falls das eigene Tier verstirbt oder einer tierärztlichen Behandlung bedarf, enthalten sowie eine Übernahme der Betreuungskosten bei Krankheit des Tierhalters – und sogar eine Art Lebensversicherung: Im Todesfall zahlt die Versicherung bis zu 50 Prozent des Kaufpreises, damit der Tierhalter die Kosten für eine tiergerechte Bestattung aufbringen kann – allerdings maximal 100 Euro. Auch für Züchter gibt es spezielle Tarife, so kann die Versicherung zum Beispiel die Kosten eines Kaiserschnittes, Ultraschalluntersuchungen und die Behandlung von Gebärmutterkomplikationen übernehmen.

Nicht immer ist der Freigang mitversichert. Foto: Christoph S., pixelio.de

Nicht immer ist der Freigang mitversichert. Foto: Christoph S., pixelio.de

Welche Leistungen enthalten sind und welche nicht, ist Vertragssache – darum sollten Tierhalter genau überlegen, welche Leistungen sie benötigen und hiernach die jeweilige Krankenversicherung auswählen. Auch die Vertragsbedingungen sollten aber genau geprüft werden, denn hier gibt es jede Menge Stolperfallen. So ist oft ein Höchst-Eintrittsalter für Tiere festgelegt, bei der Allianz zum Beispiel beträgt dies sieben Jahre, bei besonders gefährdeten Katzenrassen wie Abessiner, Havanna, Maine Coon, Nebelung, Oriental Longhair, Oriental Shorthair und Perser nur vier Jahre. Zudem unterscheiden sich die Tarife von reinen Wohnungskatzen und Freigängern bei einigen Anbietern immens, während Prevet zum Beispiel einen Einheitstarif anbietet, unterscheidet die Agila Tierversicherung nach „Wohnungskatze mit der Rasse Europäische Hauskatze, Siamkatze, Mischlinge“, „Wohnungskatzen anderer Rassen“ und „Freigängerkatzen“. Bei einem Eintrittsalter unter fünf Jahren ist die Versicherung von Freigängern hier ganze 4 EUR pro Monat teurer als die der Gruppe 1, bei einem Eintrittsalter über fünf Jahren sogar 5 EUR im Monat. Auch bei der Allianz ist die Versicherung von Freigängerkatzen 20 Prozent teurer als die reiner Wohnungskatzen. Die Behandlungskosten chronischer Krankheiten werden in den meisten Fällen nicht übernommen, bei der AXA besteht der Versicherungsschutz nur bei einer vollen Immunisierung gegen Katzenschnupfen, Katzenseuche, Tollwut und Leukose.

Auch, wer einen Tag nach Vertragsunterzeichnung zum Arzt läuft und mit einer Übernahme der Kosten rechnet, irrt. Denn viele Versicherungen schreiben Mindest-Wartezeiten von bis zu 30 Tagen vor, erst dann werden tierärztliche Kosten übernommen. Bei Unfällen zahlen die meisten Versicherungen aber schon ab dem ersten Tag.

Zum Schluss bleibt die Frage: Was kostet das alles? Für eine Krankenversicherung einer Katze sind etwa 13 bis 25 EUR im Monat zu berappen, dazu kommen eventuell noch Kosten für Zusatz- und OP-Versicherung – falls gewünscht. Katzenhalter können also pro Jahr gute 300 EUR in eine Tierkrankenversicherung investieren. Ob sich das Ganze auszahlt oder man das Geld lieber anlegt, ist ein reines Rechenexempel: Wie viel gebe ich für Tierarztbehandlungen im Jahr aus, was könnte ich sparen? Eine Versicherung lebt davon, dass einige mehr in Anspruch nehmen, als sie eingezahlt haben – und andere wiederum mehr einzahlen und wenig in Anspruch nehmen. Somit ist auch eine Portion Zufall dabei, die richtige Entscheidung zu treffen.

Ein Kommentar vorhanden

  1. Auch Katzen können Blutspender sein…

    Ich finde dein Beitrag Interessant, deshalb schicke ich dir diesen Trackback :)…

Teilen Sie uns Ihre Meinung zu diesem Artikel mit!