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TTouch für Katzen: Streicheleinheiten für die Gehirnwellen

15. November 2010 | By | Reply More

Quelle: Buch "TTouch für Katzen". Mit freundlicher Genehmigung des Kosmos-Verlages.

Quelle: Buch "TTouch für Katzen". Mit freundlicher Genehmigung des Kosmos-Verlages.

TTouch? Gesundheit! Was sich viele Katzenfreunde nicht vorstellen können: Hinter diesem Namen, dem Kürzel für „Tellington-TTouch“, verbirgt sich eine ganze Philosophie, wie Sie Ihrer Katze etwas Gutes tun können. Doch was steckt wirklich dahinter?

von Lena Landwerth

Wohl jeder von uns liebt es, seine Katze zu kraulen, ihr sanft über das Köpfchen zu streicheln oder ihr die Wirbelsäule zu massieren. Dass diese Berührungen gut tun, steht außer Frage – bei Katze und Mensch. Doch kann man mit gezielten Streicheleinheiten Körper und Seele eines Lebewesens heilen? Ja. Das sagt zumindest Linda Tellington-Jones, die vor mehr als vier Jahrzehnten ihre eigene sanfte Art im Umgang mit Tieren erfand, die auf Harmonie und Vertrauen statt Unterwerfung fußt – damals noch revolutionär. Die Kernpunkte ihrer Philosophie mögen Tierfreunden heute selbstverständlich erscheinen – damals waren sie es noch nicht. Tellintons Buch „Der neue Weg im Umgang mit Tieren“ war damals bahnbrechend.

Pferdefreunden ist Linda Tellington-Jones durch ihre Arbeit mir Problempferden schon lange ein Begriff, nun greift ihre Methode auch in den Kleintierbereich über. Ein eigener Bestandteil der Tellington-Methode im Umgang mit Tieren ist der so genannte Tellington-TTouch, eine Bewegung der Haut um genau 1 ¼ gegen die unteren Hautschichten. Gerade bei Tierarten, mit denen man keine Bodenarbeit oder Agility durchführen kann, gewinnt der TTouch an Bedeutung – wie zum Beispiel bei unseren Katzen. Doch was ist der Unterschied zum „gewöhnlichen“ Kraulen der Katze? Eine soziale Interaktion, die intensive Beschäftigung mit dem Tier, findet doch auch während der täglichen Schmuseminuten statt… Auch „normale“ Streicheleinheiten haben eine positive Wirkung auf die kätzische Psyche – und die des Menschen. Das wird sicherlich kein Tierfreund bezweifeln… Doch braucht man dazu eine spezielle Methode? Erreicht TTouch wirklich das, was die TTeam-Gilde verspricht: „Mit nur ein paar Minuten TTouch am Tag können Sie bei Ihrer Katze dauerhafte Verhaltensänderungen erzielen“?

Foto aus dem Buch "TTouch für Katzen". Mit freundlicher Genehmigung des Kosmos-Verlages.

Foto aus dem Buch "TTouch für Katzen". Mit freundlicher Genehmigung des Kosmos-Verlages.

Betrachten wir es einmal wissenschaftlich. Der Schlüssel der Methode liegt im Kleinsten, in den Gehirnwellen: Untersuchungen mit einem speziellen EEG, einer Elektroenzephalografie (Artikel bei Wikipedia), haben bewiesen, dass „getouchte“ Tiere nach einigen Minuten einen „Awakened Mind State“ erreichen. Das bedeutet nichts anderes, als das alle vier Gehirnmuster, die man durch ein EEG nachweisen kann, gleichzeitig auftreten: Alpha-, Beta-, Delta- und Theta-Wellen. Auch, wenn sich dieses sehr esoterisch anhört, sind die Gehirnwellen tatsächlich neurologische Signale unserer Gehirnzellen. Während die Alpha-Gehirnwellen meistens bei leichter Entspannung und Tagträumen auftreten, zeigen sich die Beta-Wellen im normalen Wachzustand. Die Delta-Wellen treten normalerweise im Tiefschlaf auf, wenn sich Geist und Körper regenerieren und erholen. Theta-Wellen sind typisch für einen sehr tiefen Entspannungszustand, wie zum Beispiel beim Meditieren oder Tagträumen.
Laut dem Biophysiker Maxwell Cade, Mitglied der renommierten Royal Society of Medicine, zeigen Menschen, die zu Spitzenleistungen fähig sind, das gleichzeitige Auftreten aller Gehirnwellenmuster, auch während dem Lösen schwieriger mathematischer Gleichungen oder im Gespräch. Dem durchschnittlichen Menschen ist dies nicht möglich, er kann seine Fähigkeiten aber gezielt trainieren. Doch was bedeutet das praktisch? Der „Awakened Mind State“ ist typisch für ein Gehirn, das neue Verbindungen knüpft, lernt und wahrnimmt – so die Untersuchungen. Knüpft das Gehirn neue Nervenverbindungen, schult es gleichzeitig Konzentration, Selbstvertrauen, Balance und Koordination des Tieres. Die anschließende Entspannung baut Stress ab. Übrigens: Auch Yogis und Zen-Mönchen zeigen laut Cades Untersuchungen dieses typische Gehirnwellenmuster. Oder eben Katzen, bei denen der TTouch angewandt wird…

Doch ist das die einzige Wirkung? Linda Tellington-Jones ist überzeugt davon, dass TTouch auch Reaktionen auf Zellebene hervorruft. Ob das wirklich so ist, kann die Wissenschaft leider noch nicht nachprüfen. Doch müssen wir überhaupt so weit gehen? Gezielte Massageeinheiten an den richtigen Körperstellen schaden weder der gesunden noch der kranken Katze. Ganz im Gegenteil: Sie werden nicht nur Stress abbauen, sondern auch Muskeln lockern und die Durchblutung fördern. Bedenkt man zudem, dass Verhaltensprobleme bei der Katze oft vom Unverständnis des Menschen ausgelöst werden, ergibt sich eine weitere Chance, die Kommunikation zu verbessern. Laut Linda Tellington-Jones kann man mit ein paar Minuten TTouch am Tag komplette Verhaltensprobleme lösen und dauerhafte Verhaltensänderungen bei der Katze erzielen. Vielleicht liegt diese Veränderung aber auch an der verbesserten Kommunikation zwischen Mensch und Tier…

Bleibt nur eins zu sagen: Leider fehlen aber Untersuchungen darüber, ob tägliche Streicheleinheiten den gleichen „Awakened Mind State“ hervorrufen wie der TTouch.

Pfotenhieb hat mit Bibi Degn, TTouch-Instruktor und Leiterin des TTeam-Gildenbüros in Deutschland, über die Methode gesprochen, die es schon seit 30 Jahren in Deutschland gibt (zum Interview).

Artikel aus Pfotenhieb Oktober 2008 (kostenloser Download in unserem Archiv)

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Category: Katzengesundheit

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