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Eine Wildkatze für das Wohnzimmer? Interview zur Caracat-Zucht

25. November 2010 | By More

Karakal. Quelle: Wikipedia.com

Karakal. Quelle: Wikipedia.com

Eine geplante Kreuzung von Maine Coon und Karakal hat das Thema Hybridkatzen in den Fokus gerückt. Bei vielen Tierschützern und Katzenfreunden herrscht Entsetzen über das Caracat-Zuchtprojekt (neustens: Karakat), Raubkatzenfreunde sind fasziniert. Doch wie sehen die Pläne wirklich aus? Pfotenhieb hat Patrick Rühl, Karakal-Halter und Initiator der geplanten Caracat-Zucht, die Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben. Bitte beachten Sie: Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der der Redaktion entsprechen.

das Interview führte Lena Landwerth

Sehr geehrter Herr Rühl, wir freuen uns sehr, dass Sie sich zur Beantwortung einiger Fragen bereit erklärt haben. Sie sind Tiertrainer, Halter von Karakalen und Servalen und Mitbegründer einer geplanten Caracat-Zucht, die mit einer Verpaarung von Karakalen und Maine Coon starten soll. Was genau bewegt Sie zu einer derartigen Kreuzung?

Patrick Rühl: Ich habe mich lange mit speziellen ethologischen Fragestellungen wie Prägung, Sozialisierung, Ausdruck und Eindruck usw. befasst. Insbesondere lag mein Fokus auf domestikationsbedingten Änderungen. Ich kann hier auf fundiertes Wissen von einer bekannten Verhaltensforscherin zurückgreifen, die gerade etliche Feldversuche mit Karakalen durchgeführt hat und natürlich meinen gesammelten langjährigen Beobachtungen und Erfahrungen, angefangen von der Zucht bis zur Ausbildung von Karakalen.

Vielleicht sollte man grundsätzlich etwas zur Entstehung der gemeinen Hauskatze sagen. Anscheinend ist in Vergessenheit geraten, dass diese auch unmittelbare wilde Vorfahren hat, auch wenn man dies bei so manch degenerierter Rassekatze kaum noch zu erkennen mag. Forscher gehen davon aus, dass wohl kein anderes Haustier so sehr seiner Wildform ähnelt, also so nahe an der Wildform ist, wie die Hauskatze. Ich zitiere Konrad Lorenz, der in seinem liebenswerten Buch „Er redete mit dem Vieh,den Vögeln und den Fischen“ (1964) seine Bemerkungen über den uralten Bund zwischen Mensch und Hund macht, schreibt: „Alle anderen Haustiere sind auf dem Umweg über echte Gefangenenhaltung zum Haustier geworden, ausgenommen die Katze; die ist aber auch heute noch kein richtiges Haustier.“

Das jetzige Verhaltensreportoire und äußere Erscheinungsbild leitet sich nicht nur von der Falbkatze ab. Der Grund dafür liegt darin, dass man sich den Stammbaum der Katze nicht,wie üblich, als ein System vorstellen sollte, in dem sich die Familie der Felidae als ein Ast präsentiert, der sich in den Gattungen und Arten allmählich weiter verzweigt. Viel zutreffender ist das Bild eines Büschels von Zweigen, die mehr oder weniger gleichzeitig vom Stamm absprossen (wissenschaftlich als Radiation bezeichnet). So steckt bildlich gesprochen in jeder Hauskatze neben der Falbkatze ein kleines Stückchen Karakal.

Ist der Karakal nicht nur ein entfernter Verwandter der Hauskatze und kein Vorfahre? Beide gehören zur Unterfamilie der Kleinkatzen. Wäre es nicht so, als würde man einen Schimpansen mit einem Gorilla kreuzen?

Patrick Rühl: Beide teilen nach der Einordnung von Leyhausen den gleichen Stamm, Klasse, Ordnung, Unterordnung, Familie und Unterfamilie. Selbst der Gattung Felis, der die Hauskatze angehört, stehen sie sehr nahe. Immerhin werden Karakale in die Gattung Profelis eingestuft. „Pro“ steht für „Quasi“ und „Felis“ für „Katze“. Laut dieser Definition vertrat Leyhausen die Auffassung, dass man Profelis „fast für eine Felis“ halten kann. Ich bin kein Affenethologe . Ich weiß jedoch, dass ein Gorilla 200 kg wiegt und ein Schimpanse gerade mal 25 Kilogramm auf die Waage bringt. Die Kommunikation untereinander ist auch eine ganz andere.

Im Gegensatz zur Falbkatze gilt der Karakal neben dem Geparden, die beide ja eine lange Jagdtradition gemeinsam haben, als zähmbar. Beide kann man sogar als Gebrauchskatzen bezeichnen. Zur Domestikation dieser Katzen gehört jedoch auch die Züchtung in Gefangenschaft. Dies gestaltet sich jedoch beim Geparden als äußerst kompliziert, weswegen er keinen weiteren Domestikationsprozess durchlaufen hat.Warum man dies mit dem Karakal nicht weiter verfolgt hat, liegt im Dunkeln. Über die recht junge (Selbst)domestikation der Katze ist äußerst wenig bekannt.

Was unterscheidet Ihrer Meinung nach die Domestikation des Karakals von dem des Geparden?

Patrick Rühl: Beide Arten sind nicht domestiziert worden. Der Karakal wäre jedoch schon aufgrund der Größe und der weniger spezialisierten Jagdstrategien geeigneter für eine etwaige Domestikation gewesen. Hinzu kommt, dass der Karakal äußerst robust ist und man ihn beinahe überall problemlos halten kann,da sein natürliches Vorkommen besonders große Gebiete überdeckt. Der Karakal ist ein Überlebenskünstler und gilt als Anpassungswunder. Er ist trotz eklatander Bejagung weit verbreitet und verfügt in seinen Lebensräumen über eine hohe Populationsdichte.

Gilt das nicht auch für den Geparden? Was unterscheidet diese beiden Arten Ihrer Meinung nach?

Patrick Rühl: Der Karakal ist äußerst gesellig und entgegen weitläufiger Meinung kein Solitaire. Auch passt sich der Karakal problemlos dem menschlichem Rythmus an und verlagert seine Aktivitäten auf die Tagesstunden. Eben diese Konformität, selbst in Gefangenschaft, macht ihn zum idealen Ausgangstier für die Caracatzucht.

Weiterhin wiegen unsere Karakalkätzinnen gerade mal elf Kilogramm, die Differenz zu den Maine Coon Kätzinnen beträgt lediglich drei Kilogramm. Karakal ist auch nicht gleich Karakal. Wir haben die Unterart caracal caracal. Diese tragen lediglich 69 bis 70 Tage. Die Kätzinnen meiner Zuchtpartnerin tragen 68 bis 69 Tage. Entsprechende Tragezeiten können belegt werden.Im Gegensatz zu den Anpaarungen in den USA, wo vorwiegend kleine Abessinierkatzen eingesetzt werden, können wir mit natürlich ausgetragenen Kitten rechnen. Wenn man sich diese signifikanten Unterschiede näher betrachtet, scheint unser Caracatzuchtvorhaben um einiges humaner.

Meinen Informationen nach ist „Caracal“ die Bezeichnung der Gattung Karakal, „Caracal caracal“ die Bezeichnung der Art, äquivalent zum Homo sapiens und Homo sapiens sapiens. Welche Karakal-Unterarten gibt es noch, was genau unterscheitet den Caracal caracal Ihrer Meinung nach von einem „normalen“ Karakal?

Patrick Rühl: Die Gattung wird als Profelis caracal bezeichnet und diese wiederum besteht aus vier Unterarten, die folgendermaßen heißen: caracal, damarensis, melanotis und nubicus. Alle Karakale sind soweit gleich. Sie kommen in unterschiedlichen Regionen vor und unterscheiden sich vor allen Dingen in der Fellfarbe und Größe und größtenteils auch in der Tragezeit. Wir besitzen ausschließlich Karakale der Unterart caracal und unsere Beobachtungen bezüglich der Tragezeit decken sich mit denen von befreundeten Züchtern.

Wie sieht es mit den Haltungsbedingungen aus?

Patrick Rühl: Der Karakal darf auch trotz der strengen Gefahrtierverordnungen in Hessen und Bayern problemlos von Privatleuten gehalten werden. In Bayern steht beispielsweise der Serval auf der Liste der gefährlichen Arten.

Pfotenhieb hat bei den entsprechenden Ämtern nachgefragt, in wieweit der Handel von bereits in der EU befindlichen Tieren insbesondere ab der Generation F2 beschränkt ist – eine Stellungnahme von Behördenseite liegt uns noch nicht vor. Welche Erfahrungen haben Sie diesbezüglich gemacht?

Karakale unterliegen Anhang B des Washingtoner Artenschutzabkommen, das heißt wenn man so ein Tier aus Drittländern einführt, benötigt man eine Ein- und Ausfuhrgenehmigung, die nicht so ohne weiteres zu bekommen ist. Auch muss ich, wenn ich innerhalb der EU einen Karakal abgebe, nachweisen, dass das Tier in Gefangenschaft gezüchtet wurde. Es gibt hier auch eine Kennzeichnungspflicht, die Tiere müssen gechipped werden. Wie bei den Savannahs auch unterliegen die Tiere bis zur F4 Generation dem gleichen Schutzstatus wie das Ursprungstier. Den Ab- und Zugang bis zur F4 Generation muss ich daher immer meiner Behörde melden. Die Haltungsbedingungen, die für das Ursprungstier gelten, sind jedoch nicht einzuhalten.

Wie geht die Paarung von statten – besteht Ihrer Meinung nach Gefahr für die körperlich unterlegene Kätzin beispielsweise durch den Nackenbiss während der Paarung?

Patrick Rühl: Ich werde natürlich an dieser Stelle keine Anleitung für die F1 Hybridzucht geben, auch wenn viele mir aufgrund der ganzen Publicity die Zucht nachmachen möchten und rege im Ausland nach Karakalkatern fragen oder über Strohmänner direkt bei mir anfragen.

Die Sozilisation und Prägung des Karakals ist auschlaggebend für den Zuchterfolg. Allein mit dem Vorhandensein eines Karakals stellt sich noch kein Zuchterfolg ein. Währen der Prägung lernt der Karakal natürlich in seinen ersten pseudosexuellen Handlungen in spielerischer Form wie stark er den Nackenbiss ausüben kann. Der semilanghaar behaarte Nackenbereich einer Maine Coonkätzin ist hier auch noch viel geschützter, als der von einer Karakalkätzin. Weiterhin habe ich analog zu den Löwenrudeln bereits beobachten können, dass bei einer gewissen Vertrautheit eine aufwendige Werbung oder Ruhigstellung des Weibchens kaum mehr notwendig ist und mehr oder weniger weitgehend abgekürzt wird. Auch bei Hauskatzen kommt es vor, dass die Kätzin nur noch die Begattungsstellung einnimmt und der Kater aufsteigt, ohne einen Nackenbiss auch nur anzudeuten.

Eine Katze lässt sich auch nicht vergewaltigen! Erst durch das Zusammenspiel aller ritualisierten Handlungen wird ein Eisprung provoziert und eine Befruchtung überhaupt erst möglich gemacht, weshalb eine künstliche Befruchtung kaum Aussicht auf Erfolg hat!

Eine Hauskatze trägt im Schnitt etwa 63 Tage, ein Karakal zwischen 73 bis 80 Tagen. Sehen Sie diese Unterschiede in der Tragezeit bei Karakal und Hauskatze als problematisch an? Wie sieht es mit der Gefahr für die Mutter oder für zu früh geborene Kitten aus?

Patrick Rühl: Die F1 Savannahzucht habe ich ja auch schon dahingehend revolutioniert, als das ich für die Anpaarung mit dem Serval F2 Savannahkätzinnen genommen habe. Diese waren ebenfalls größer als normale Hauskatzen und konnten die Babies problemlos voll austragen. In den Staaten wurden dem Serval Hauskatzen ins Gehege geworfen und entweder er hat sie gefressen oder getötet. Bei erfolgreicher Deckung mussten die Babies dann mit Kaiserschnitt geholt werden und mit der Magensonde ernährt werden, was mich zutiefst anwidert und ganz klar gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen verstößt.Wir züchten ja nun auch Servale und von daher kenne ich mich bezüglich der Tragezeiten beim Serval natürlich bestens aus. Keine der Servalkätzinnen hat bisher unter 75 Tage getragen. Auch sind Servalkätzinnen um einiges größer als Karakalkätzinnen.

Karakalkater und eine an der Zucht beteiligte Maine-Coon-Kätzin. Foto: Rühl

Karakalkater und eine an der Zucht beteiligte Maine-Coon-Kätzin. Foto: Rühl

Ergibt die Kreuzung eines Servals mit einer F2 Savannah eine F1 Savannah?

Patrick Rühl: Ja, auschlaggebend ist die Beteiligung des Servals. Es handelt sich dann aber um hochprozentige F1 Savannahs mit mehr als 50 Prozent Servalanteil.

Wir wollen auch die durch Inzucht geplagte Rassekatzenzucht revolutionieren. Ganz allgemein bewirkt die Domestikation eine Verarmung der Allelevielfalt, die ethologische wie auch-trotz der oft erheblich größeren Variation im Erscheinungsbild-morphologische Veranlagungen betrifft. Warum das so ist, liegt wohl zum größten Teil an dem „Bottleneck“ , durch den jedes Haustier im Laufe seiner Domestikationsgeschichte meist mehrmals gegangen ist.

Wie viele Karakale stehen zur Zucht zur Verfügung, damit der Inzuchtfaktor nicht zu groß wird?

Patrick Rühl: Für den Anfang stehen zwei Karakale zur Verfügung.

Die geplante Caracat-Zucht wird von vielen Katzenfreunden als sehr kritisch angesehen. Was halten Sie von dem Argument, dass Karakale im Gegensatz zu Servalen sehr unstet und oft aggressiv sein sollen? Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie mit dem Wesen des Karakals gemacht?

Patrick Rühl: Die Zucht von Edelkatzen erschöpft sich nun einmal unbestreitbar in Äußerlichkeiten. Es wird nahezu ausschließlich Wert auf Eigenschaften wie Fellfarbe und -länge, Augenfarbe, Körperbau, Schädel und Ohrenform gelegt. Kaum jemand hat aber versucht, besonders intelligente, große, kräftige, geschickte oder einfach kerngesunde , muntere Katzen als eigene Rasse zu züchten, wobei Farbe und Form erst in zweiter Linie Beachtung finden sollten.

Die moderne Rassekatzenzucht legt also Ihrer Meinung nach keinen Wert auf die Züchtung besonders umgänglicher Katzen?

Patrick Rühl: Die moderne Rassekatzenzucht ist meiner Meinung nach nicht ausgewogen genug. Es werden eben nicht alle Parameter abgedeckt, auf die ein nicht geringer Teil an Katzenliebhabern Wert legt. Ich möchte hier nicht gegen andere Rassekatzen wettern. Die einzelnen Rassen haben natürlich weiterhin ihre Existenzberechtigung. Geschmäcker sind glücklicherweise verschieden.

Im größten Maße schätze ich die Geselligkeitszahmheit beim Karakal und dessen Hybriden. Am besten kann man die Hybriden mit den recht ursprünglichen Siberian Huskies vergleichen, die ich übrigens zehn Jahre gehalten und gezüchtet habe. Die Huskies wirken gering domestiziert und stehen dem Wolf noch sehr nahe und verhalten sich sehr autak, aber würden alles für ihren Menschen tun. Dies sieht man besonders bei den Schlittenhunderennen, wo sie bis zur Erschöpfung für ihren Schlittenhundeführer rennen.Um hier auch noch einmal kurz auf den Serval zurückzukommen, würde ich diesen eher als reservierter bezeichnen. Servale verbringen einen Großteil ihres Lebens in Deckung. Sie sind eine der wenigen wasserliebenden Raubkatzenarten und jagen vermehrt im hohen Schilf oder Gras, wohingegen es dem Karakal bedingt durch seinen Lebensraum meist an Deckung fehlt. Ich würde den Karakal schon als selbstbewusster und vor allen Dingen neugieriger bezeichnen, was jedoch keinem aggressiven Verhalten gleichkommt. Im Gegenteil das macht das Zusammenleben einfacher. Wir sind meines Wissens nach die Einzigen in Europa, die sowohl Servale, Karakale als auch Asiatische Leopardenkatzen halten , also die drei Ausgangstiere der Hybridkatzen Savannah, Caracat und Bengale und dies auch über einen längeren Zeitraum. Wir haben die Tiere bedingt durch die intensive Arbeit auch schon in Extremsituationen kennengelernt, weshalb ich das Wesen, ohne an der Stelle arrogant wirken zu wollen, wohl nach am besten beurteilen kann. Ich glaube nicht, dass jemand der eifrigen Forenschreiber mit einem zahmen Karakal auf Tuchfühlung gegangen ist, oder macht schon die Durchsicht von Wikipedia und youtube den einzelnen zum Karakalexperten?

Bisher können die meisten Hybridkatzenzüchter auf Erfahrungen eines sozialen Kontaktes von Servalen und Katzen zurückgreifen. Wie wird aber der Kontakt zwischen der körperlich unterlegenen Katze und dem Karakal hergestellt, welche Beobachtungen konnten Sie bisher im Verhalten der Karakale machen?

Patrick Rühl: Eine kleine Anmerkung noch zum Jagdverhalten des Karakals: Er betreibt keine Hetzjagd.

Ich habe gerade in der F1 Savannahzucht in Europa Pionierarbeit geleistet und kann wie kein anderer auf Erfahrungen eines sozialen Kontakts zwischen „Raubkatze“ und domestizierter Katze zurückgreifen. Das Zusammenleben ist problemlos, im Gegenteil es bilden sich sogar feste Sozialverbände. Unser geschlechtsreifer Savannahkater lebt zum Beispiel mit unserem geschlechtsreifen Servalkater in einem sogenannten „Bruderschaftsverbund“ zusammen. Der Karakalkater beispielsweise tritt in Hungerstreik, sobald man ihm seinen Maine Coon Harem wegnimmt. Dies kann man auch nicht als Fehlprägung bezeichnen, da selbst in freier Wildbahn ähnliche Gemeinschaften beobachtet wurden. Die Behauptung,dass Katzen Solitäre sind, mag auf manche Katzen zutreffen, ist aber schon längst wissenschaftlich widerlegt. An der Stelle warne ich auch vor Pauschalisierungen. Man muss jedes Tier individuell betrachten. Neben der Genetik spielen viele äußere Faktoren eine eine ganz entscheidende Rolle.

Ihr Karakalkater lebt also schon mit Maine Coon Kätzinnen zusammen?

Patrick Rühl: Der Kater lebt mit seinen zwei Kätzinnen zusammen und es handelt sich um eine rundum harmonische Katzengemeinschaft.

Wie sieht es mit dem geplanten Nachwuchs aus, ab welcher Generation sollen die Caracats an Endhalter vermittelt werden?

Patrick Rühl: Ich kann auf die Erfahrungen unseres F1 Savannahnachwuchses, sowie auf die Entwicklung von reinen Karakalen zurückgreifen. Ich sehe daher kein Problem selbst F1 Caracatkater an katzenerfahrene Liebhaberhände abzugeben. Sinn und Zweck des Ganzen ist es nicht stets neue F1 Tiere anzusetzen, wie es leider manche Savannahzüchter immer wieder von neuem tun, um Profit zu machen. Ich habe nämlich auch schon indifferente F1 Tiere erlebt, die weder Fisch noch Fleisch sind und sich im wahrsten Sinne des Wortes in einer Identitätskrise befunden haben. Dies sieht man zum Glück schon im Kittenalter. Analog zu Bengalzucht gehört die Caracat mit sinnvoll durchdachten Anpaarungen weitergezüchtet. Erstrebenswert ist ein F10 Tier, das aber noch Änlichkeit mit dem Karakal hat. Bei der Savannahzucht gibt es zwei Extreme. Die einen züchten F1 bis F3 Tiere und teilweise auch fruchtbare F5 Kater und setzen auf vermeintliche Qualität, die sie natürlich entsprechend hochpreisig anbieten und die anderen setzen auf Quantität und züchten munter F6 bis F8 Tiere, die nur noch Ähnlichkeit mit einer Hauskatze haben. Diese werden dann natürlich zu Schleuderpreisen angeboten. Man betrachte hier den Kaschmiranteil bei Kleidungsstücken! Das gesunde Mittelmaß vermisse ich.

Als einzige Savannahzüchter haben wir unseren Schwerpunkt auf silberne Savannahs gelegt und haben hier zusätzlich auch noch das Problem das wirklich schwierige reine Silbertiere beizubehalten. Mir ist es wiederholt gelungen platinsilberne F7 Tiere zu züchten, die typische Servalmerkmale an den Tag legen , aber ein ganz offenes kommunikatives Wesen haben. In solchen Tieren liegt die Zukunft.

Aus diesem Grund wird die Caracatzucht sehr exklusiv gehalten und nur einem kleinen Kreis von Züchtern zugänglich gemacht. Wir werden es zu verhindern wissen, dass diese einzigartigen Tiere zur Modetieren verkommen.

Wir möchten doch noch einmal auf die Haltung der Caracats zurückkommen. Hört sich die „Wildkatze im Wohnzimmer“ noch romantisch an, vergeht die Freude doch schnell, sobald das Tier aggressiv wird.Wie planen Sie die Haltung der Caracats der ersten Generationen, wenn sich diese aufgrund ihres Temperaments nicht zur Haltung im Haus eignen sollten?

Patrick Rühl: So viel Menschenkenntniss haben wir mittlerweile, dass wir aus dem großen Bewerberpool schon adäquate Familien auswählen, die den Tieren das Bestmögliche bieten und es von ihren neuen Stubentigern gedankt bekommen. Wir werden es uns nicht nehmen lassen Erlebnisberichte zu veröffentlichen.

Wird das Zuchtprojekt wissenschaftlich begleitet?

Patrick Rühl: Ja! Das Zusammenleben wird gefilmt und dann von entsprechender Stelle unter ethologischen Gesichtspunkten abschließend bewertet.

Auf Ihrer Homepage schreiben Sie über die Haltung von Wildkatzen folgendes: „Verantwortungsvolle Halter, die vielleicht auch noch hin und wieder einen Spaziergang mit ihrem Karakal oder Serval unternehmen wollen, werden dem Tier also völlig gerecht.“ Sind Sie also der Meinung, dass Karakale und Servale wie ein normales Haustier gehalten werden können?

Patrick Rühl: Schon Konrad Lorenz stellte sich die Frage, welche Tierarten im Zoo nun wirklich arm und bedauernswert seien und kam zu dem Schluss, dass einerseits besonders kluge und hochstehende Wesen, deren Geist im Käfig keine Befriedigung findet, betroffen sind. Zu diesen Tieren zähle ich die Katzen allgemein und weite die Aussage auch auf die Wohnungshaltung aus! Er war zudem der Meinung, dass viele fanatische Verfechter im Gegensatz dazu kaum etwas Bemitleidenswertes an einem geistig und körperlich regsamen Tier wie beispielsweise dem Papagei finden, das etwa zu Hause unter restriktiven Bedingungen dahinvegetiert. Oft ist es ein und dieselbe Person, die in lauten Tönen ihre Empörung über die private „Raubkatzen“ haltung hinausposaunt und in einer 40qm großen Wohnung zehn Katzen hält – natürlich aus edelsten tierschützerischen Motiven. Wer den physisch und gesundheitlichen Aspekt der Katzen einer solchen Tierhaltung genauer betrachtet, dem grauts.

Wir halten unsere Karakale und Servale , aber auch die Hybriden nach den Grundsätzen des Behavioural und Environmental Enrichments, also Verhaltens- sowie Umweltbereicherung. Ganz davon abgesehen kann man ein reizarmes und eintöniges Leben keinem Lebewesen zumuten.

Oben genannte Frage ist daher mit einem ganz klaren Ja zu beantworten, wenn man über ein großes Haus mit Garten verfügt und bereit ist, sich mit dem Tier näher zu beschäftigen. Ich setzte hier jedoch eine fachmännische Sozilisation und Prägung seitens des Züchters voraus. Die daraus entstehende Bindung ist in ihrer Intensität kaum zu übertreffen.

Kot und Urin setzen die Tiere wie in freier Wildbahn an ihrer Reviergrenze, also Ende des eingezäunten Gartens oder Geheges, ab. Die Krallen werden an den robusteren Echtholzkratzbäumen gewetzt. Sie werden älter als in der freien Wildbahn. Man pflegt die Erhöhung der Lebenserwartung beim Menschen nicht gerade als negativ zu bewerten. Sollte wider Erwarten Lebensumstände eintreten, die eine Weiterhaltung des Tieres unmöglich macht, kann der Verein International Foundation for Wild and Hybrid Cats, in dem wir Mitglied sind, auf eine Auffangstation in Frankreich zurückgreifen, von der die Tiere dann weitervermittelt werden können.

Auch ist die Haltung einer solch zahmen Raubkatze ein Stück Artenschutz. Es ist nicht damit getan zu sagen, dass diese Tiere in die freie Wildbahn gehören. Diese wird immer mehr vom Menschen vernichtet. Nicht nur David Macdonald von der Universität Oxford , einer der weltweit bekanntesten Experten für Raubtiere, ist davon überzeugt, dass die Lösung der Konflikte zwischen Menschen und Wildkatzen und die Sensibiliserung auf Dauer wichtiger ist, als der Schutz unberührten Lebensraums. Gerade der Verein ist stolz darauf, hier einen kleinen Teil dazu beizutragen.

Grundsätzlich sollte sich jeder Katzenhalter dazu verpflichtet fühlen, sich über die Pflege der eigenen Katzen hinaus auch für die Belange der wildlebenden Art zu interessieren. Der erste Schritt wäre beispielsweise sich einer Organisation anzuschließen, die sich für derartige Schutzprojekte einsetzt.

Sind Sie oder Ihre Zuchtpartner nicht auch gleichzeitig Gründer der International Foundation for Wild and Hybrid Cats, auf die Sie verweisen?

Patrick Rühl: Es sind schon ein paar mehr Züchter, die den Verein ins Leben gerufen haben. Meine Zuchtpartnerin und ich sind lediglich Gründungsmitglieder. Wir repräsentieren das Caracatzuchtprojekt jedoch nach Außen.

Möchten Sie uns noch etwas mitteilen?

Patrick Rühl: „Was scherts die Eiche, wenn die Sau sich dran schrubt“. Nach diesem Grundsatz habe ich diese lächerlichen Diskussionen in diversen Foren abgetan. Ich habe jedoch von etlichen Seiten Zuspruch für das Unterfangen erhalten,die sich mit der Materie ausführlicher befasst haben. Diesen habe ich mich letztlich doch verpflichtet gefühlt. Auch die nette Anfrage von Ihrer Redaktion, die tatsächlich als Einzige mal von qualifizierter Seite und von den Betroffenen selbst Aussagen über die Beweggründe einholen wollte, hat noch ihr übriges dazu beigetragen, so dass wir uns jetzt entgegen unserer ursprünglichen Absicht doch etwas näher zu dem Ganzen geäußert haben.

Mir war nicht in diesem Maße bewusst, wie groß doch gerade die Maine Coon Katzenmafia ist, die tatsächlich Angst hat Marktanteile zu verlieren und geschickt Ängste schürrt und in vollem Maße auf Emotionen setzt, da sie ja nicht mit sachlichen Argumenten auffahren kann. Wo war den Aufschrei und das vermeintliche Entsetzen, als die Savannah und Bengalzucht begonnen wurde? Warum war diese Rassen nicht Bestandteil der Petition? Ist es nicht nur konsequent und glaubwürdig grundsätzlich ein Problem mit der Hybridzucht zu haben? Warum grenzt man das nur auf die Caracatzucht ein? Warum wurde man von keiner Seite nach den Beweggründen gefragt? Wie kann es sein, dass nur meine Zuchtpartnerin, die uns doch lediglich die Maine Coons gegeben hat in einem solchen Maße angegeriffen und beleidigt wird? Wie ich den Foren entnommen habe, wurde das Caractzuchtvorhaben noch gleich dazu benutzt ihre Katzen und ihre Zucht aufs Übelste zu diskreditieren. Gerade ein Teil dieser MC -Züchter hat parallel versucht an Karakalkater zu kommen. Die Karakalszene ist sehr klein. So viel zu dem ernsthaften Interesse an den doch so armen und geschundenen Katzen, die wir unserem Karakalkater zum Fraß vorwerfen.

Ich möchte an der Stelle lieber nicht anfangen mich über das Thema Qualzucht näher auszulassen. Hier würden die meisten Rassekatzenzüchter nicht gut wegkommen.“

Homepages des Interviewparters: www.africanspirits.de

www.ifwhc.com (UPDATE Februar 2011: Die Homepage ist aktuell offline, laut Aussage von Herrn Rühl steht eine Neustrukturierung des Vereins bevor.)

Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen!

Hinweise der Redaktion:

Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung der Redaktion entsprechen.

Zum Weiterlesen:

Interview mit Dr. Mircea Pfleiderer, Assistentin von Paul Leyhausen bei Tier.tv

Weitere Infos zum Thema Hybridkatzen gibt es in unserem Schwerpunktthema „Wildkatzenhybride„.

Wildkatzenhybride – Katzenrassen zwischen Faszination und Artenschutz

Portrait Karakal


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Category: Wildkatzenhybride

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  3. Anonymous | 11. September 2012
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