Erste Hilfe bei der Katze – so geht‘s!

Foto: Andreas Stix / pixelio.de
Foto: Andreas Stix / pixelio.de

Im Haushalt passieren die meisten Unfälle, heißt es beim Menschen. Bei der Katze ist es wohl eher das Gegenteil. Vor allem Freigänger sind auf ihren Streifzügen unzähligen Risiken ausgesetzt. Ob im Straßenverkehr oder bei der Begegnung mit dem Nachbarshund – nur allzu schnell ist etwas passiert und dann ist rasches Handeln gefragt. Die Nummer von Tierarzt und -klinik sollte jeder Tierhalter für solche Fälle griffbereit haben. Doch bis zur Ankunft in der Praxis vergeht oft wertvolle Zeit, in der dem Patienten geholfen werden muss. Diese kleine Erste-Hilfe-Anleitung soll dabei helfen.

von Jessica Rohrbach

Als erstes gilt es, Ruhe zu bewahren. Das mag zwar einfacher gesagt sein als getan, ist aber unheimlich wichtig, um sinnvoll zu handeln und das verletzte Tier nicht noch unnötig aufzuregen. Ist der Unfall auf der Straße passiert, sollte die Katze so schnell, sicher und schonend wie möglich vom Unfallort entfernt werden. Am besten ist, wenn man Unterstützung organisieren kann, damit sich eine Person ausschließlich um die Erste Hilfe am Tier kümmern kann, während die andere assistiert, beispielsweise beim Tierarzt anruft und diesen auf die Ankunft eines Notfallpatienten vorbereitet.

Tierarzt verständigen

Das muss dann auch sofort der nächste Schritt sein, denn auch die beste Erste Hilfe nützt nichts, wenn der Patient nicht schnellstmöglich von einem Fachmann untersucht und behandelt wird. Hat man die Nummer nicht parat hilft einem die Auskunft oder ein Blick ins Telefonbuch weiter. In regionalen Tageszeitungen und Anzeigenblättern sind in der Regel die tierärztlichen Notdienste vermerkt, falls zur Zeit des Unfalls der nächstgelegene Tierarzt keine Sprechstunde hat.

Foto: Lisa Gomez Ringe
Foto: Lisa Gomez Ringe

Um die Katze dorthin zu bringen, muss sie jedoch zunächst erstversorgt werden. Falls die Katze noch bei Bewusstsein ist, vorsichtig nähern, denn auch die liebste Katze kann bei Schmerzen unberechenbar reagieren und heftig beißen und kratzen. Darum behutsam vorgehen und eventuell eine Decke zu Hilfe nehmen, in die das Tier eingewickelt werden kann. Ist die Katze bewusstlos oder schwer verletzt, kann man die Decke auch vorsichtig unter den Patienten ziehen und sie dann mit einem Helfer auf der gespannten Decke wegtragen, um die Verletzungen nicht zu verschlimmern.

Lebensfunktionen überprüfen

Bei Bewusstlosigkeit sind zunächst die Lebensfunktionen zu überprüfen. Dazu ist als erstes auf Atembewegungen zu achten und zu prüfen, ob der Patient auf Ansprache reagiert. Im nächsten Schritt wird der Kreislaufzustand überprüft. Dafür hebt man die Oberlippe des Tieres und drückt mit einem Finger auf das Zahnfleisch. Wenn sich die Stelle nicht innerhalb von zwei Sekunden wieder rosa färbt, hat das Tier vermutlich einen lebensbedrohlichen Kreislaufschock erlitten, der schneller tierärztlicher Behandlung bedarf.

Dann folgen das Kontrollieren vom Puls an der Innenseite des Oberschenkels, des Herzschlags, in Höhe des Ellenbogens am Brustkorb, und der Pupillenreflexe. Hierzu wird eine Taschenlampe benötigt, mit der man dem Tier in die Augen leuchtet. Sind weder Atmung, Herzschlag und Puls vorhanden und reagieren auch die Pupillen nicht mehr, ist bereits jede Hilfe zu spät. Sollten sich die Pupillen allerdings beim Anstrahlen mit der Taschenlampe verengen, muss sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen nach dem A-B-C-Schema begonnen werden, um das Tier zu retten.

Wiederbelebung nach dem A-B-C-Schema

A wie Atemwege: Um die Atemwege freizulegen, zuerst das Maul der Katze öffnen und die Zunge nach vorne ziehen, danach Fremdkörper, Schleim oder Erbrochenes aus Maul und Rachen entfernen.

B wie Beatmung: Das Maul wieder schließen, den Hals strecken und vorsichtig durch die Nase etwa alle drei Sekunden beatmen. Der Brustkorb sollte sich heben, aber nicht stark wölben.

C wie Circulation (Kreislauf): Wenn eindeutig weder Herzschlag noch Puls festgestellt werden konnte, muss mit der Herzmassage begonnen werden. Dazu eine Hand flach in Höhe des Ellbogens der Katze auf deren Brustkorb legen und mit zwei Fingern jeweils etwa eine Sekunde lang fünf- bis zehnmal auf die aufgelegte Hand drücken, um das Herz wieder zum Schlagen anzuregen. Danach wieder ein- bis zweimal beatmen, den Herzschlag kontrollieren und bei Bedarf die Herzmassage wiederholen.

Verbände anlegen

Leichte Verletzungen können, nachdem sie von grobem Schmutz befreit wurden, mit einem einfachen, nicht zu fest sitzenden Verband versorgt werden. Direkt auf die Wunde sollte eine fusselfreie, möglichst sterile Abdeckung kommen. Sollten Fremdkörper in den Körper eingedrungen sein, diese auf keinen Fall entfernen, um starke Blutungen zu vermeiden! Solche werden am besten mit einer Druckkompresse oder wahlweise einem zusammengefalteten, sauberen Tuch versorgt, die man auf die Wunde presst und dann verbindet.

Tritt aus der Wunde stoßweise hellrotes Blut aus, ist eine Arterie verletzt und das Tier droht zu verbluten. Am Körper kann hier nur ein Druckverband wie bei anderen starken Blutungen helfen. Ist die Wunde jedoch an den Gliedmaßen aufgetreten, diese direkt über der Blutung abbinden.

Transport zum Tierarzt

Ist die Katze in einem transportfähigen Zustand, muss sie schnell und schonend zum Tierarzt gebracht werden. Verletzte Gliedmaßen dabei weich und stabil lagern. Wirkt die Katze unterkühlt, sollte sie mit einer wärmenden Decke oder Jacke zugedeckt werden. Auch wenn die Katze nach einem Unfall fit wirkt, diese beim Tierarzt gründlich untersuchen lassen, um innere Verletzungen auszuschließen! Sollten Sie den genauen Unfallhergang beobachtet haben, können Sie mit genauen Beobachtungen bei der Diagnose helfen

Infobox:

Nicht nur Freigänger leben gefährlich! Foto: Tschi-Em / pixelio.de
Nicht nur Freigänger leben gefährlich! Foto: Tschi-Em / pixelio.de

Das gehört in den Erste-Hilfe-Kasten:

In jeden Haushalt gehört ein Erste-Hilfe-Kasten – auch für die tierischen Mitbewohner. Der Inhalt ist dabei relativ ähnlich und sollte regelmäßig überprüft und gegebenenfalls erneuert werden. Das muss mindestens hinein:

– Telefonnummer von Tierarzt und Tierklinik
– Sterile Gazetupfer
– Wundkompresse
– Mullbinden
– Fixierbinde
– Heftpflasterspule
– Schere mit abgerundeter Spitze

6 Gedanken zu „Erste Hilfe bei der Katze – so geht‘s!

  • Pingback: Schlachtplan für den Ernstfall: Erste Hilfe bei der Katze « Pfotenhieb-Blog

  • 14. Dezember 2010 um 19:10
    Permalink

    Sehr schöner Artikel. Ich denke, dass viele sicher nicht wüssten, was sie in einer solchen Situation machen sollen. Denn der Schock ist sicher groß.

    Liebe grüße
    FrauZwitscher

  • 15. Dezember 2010 um 19:46
    Permalink

    Pulsmessen etc. sollte man üben!
    Wer nicht weiß, wo er den Puls findet (Innenseite der Oberschenkel), besucht am besten einen Kurs „Erste Hilfe am Hund“. Diese Lehrgänge werden von vielen Hilfsorganisationen und manchen Tierärzten angeboten. Was man dort lernt, kann man auch gut auf die Katze übertragen! :-)

    Gut zu wissen:
    bei der gesunden erwachsenen Katze

    * ist die Atemfrequenz 20-40 Atemzüge/min.
    der Puls 80-140 Schäge/min.
    die Temperatur 38,0-39,3°C
    bei Kitten und Jungkatzen alles etwas höher.

    Bei allen Notfällen kann man die Bachblüten-Notfalltropfen geben!
    Bei einer bewußtlosen Katze kann man 2-3 Tropfen direkt aus dem Fläschchen auf die Lefzen geben.
    Ist die Katze bei Bewußtsein, bitte mit Quellwasser verdünnen. Wegen dem Alkohol würde sie es sonst eh‘ nicht nehmen.

    Ein Schock wird ausgelöst durch:
    * Blutverlust (äußerlich und innerlich) durch Verletzung, Sturz, Unfall
    Vergiftung bzw. Allergie
    schwere Infektionen
    zu geringer Blutzuckerspiegel

    Anzeichen eines Schocks:
    * flacher, erhöhter Puls (oder flacher, ganz langsamer Puls)
    schnelle flache Atmung
    blasse Schleimhäute (steht im Pfotenhiebartikel)
    Katze fühlt sich kühl an

    Das Tier muß dann sofort zum Tierarzt bzw. in die Klinik!
    Dabei muß man auf die Lebensfunktionen achten.

    Wenn man eine Katze wiederbeleben muß, legt man sie am besten auf die rechte Seite, weil man das Herz dann besser massieren kann.

  • 15. Dezember 2010 um 19:54
    Permalink

    Ich finde es gut, dass ich weiß, wie ich meiner Katze im Notfall helfen kann. Ob ich mich daran erinnere, wenn tatsächlich etwas passiert ist und auch anwenden kann, wage ich zu bezweifeln. Trotzdem kann ich nur jedem empfehlen es einmal gelesen zu haben und sich einen Erste-Hilfe-Koffer zu besorgen (werde ich jetzt auch).

    Viele Grüße

    Manuela mit Rubinia

  • 17. Dezember 2010 um 19:13
    Permalink

    Ich finde es gut, hier mal die Massnahmen zur 1. Hilfe gelesen zu haben.
    Auch die Infos von Andrea zu Atemfrequenz, Puls und Temperatur find ich gut.
    Nächste Woche muss ich zum TA und werde mir von ihm zeigen lassen, wo genau man den Puls findet.
    Manu, auch wenn Du Dich nicht genau erinnerst… Du hast es mal gelesen und wirst gewiss instinktiv das Richtige tun.
    Vielen Dank auch für pfotenhieb und alles Liebe zum Fest.
    Manuela

  • 29. Mai 2011 um 21:15
    Permalink

    Zum Thema Bachblüten: Rescue-Tropfen sind prima, doch verabreichen Sie bitte nie nie niemals einem bewußtlosen Tier Flüssigkeiten („mit Quellwasser verdünnen“), denn es kann dadurch ersticken.
    Beste Grüße,
    Britta

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