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Erfahrungsbericht Clickertraining: Von gewitzten Katzen und überraschenden Fehlerquellen

17. Januar 2011 | By | 1 Reply More

Als Katze „Ruby“ aus dem Münchner Tierheim zu Pfotenhieb-Leserin Manuela Huber zog, suchte die damalige Katzenanfängerin Rat in vielen Katzenratgebern, um die heute zwölfjährige Ruby zu beschäftigen. Schon bald entdeckten Katze und Mensch ihre Liebe für das Clickertraining – und einige Hürden, die es dabei zu überwinden galt.

von Manuela Huber

Quelle: www.zooplus.de

Quelle: www.zooplus.de

Als ich das erste Mal das Buch „Clickertraining für Katzen – Erziehung macht Spaß“ in den Händen hielt, konnte ich nicht glauben, dass man Katzen erziehen kann.

Aller Anfang ist schwer – oder doch nicht?

Obwohl unsere Katze zu der fauleren Sorte gehört, wollte ich das Training dennoch ausprobieren. Zunächst kaufte ich mir einen Clicker und begann sogleich mit der ersten Aufgabe. Meine Katze musste auf den Clicker konditioniert werden, d.h. sie musste mit dem Clickgeräusch eine Belohnung verbinden. Dazu war es nötig zu clicken und innerhalb einer halben Sekunde das Leckerli zu geben. Das gestaltete sich jedoch ziemlich schwierig denn selbst nachdem ich meiner Katze das Leckerli hingestreckt hatte, brauchte sie einige Sekunden um es auf meiner Handfläche zu finden. Oder aber sie wollte meine Hand beschnuppern, aus der das merkwürdige Clickgeräusch gekommen ist. Diese Übung wiederholte ich drei mal am Tag für je vier Clicks. Jedenfalls dauerte es seine Zeit bis unser Stubentiger das Clicken mit einer Belohnung verband.

Nachdem sie die erste Lektion erfolgreich gelernt hatte, war ich mir sicher, dass meine Katze ein Naturtalent war. Ich begann sogleich mit dem Erlernen der Handlungsabfolge „herkommen, sitzen, Pfote geben“. Zunächst musste jeder Schritt einzeln gelernt werden, indem man ein spontanes Verhalten wie beispielsweise das “Hinsetzen“ mit einem Click und einem Leckerli belohnt. Danach bekommt jede Handlung seinen Namen, damit die Katze diese Handlung auf Kommando zeigt. Meistert sie das souverän, werden die Handlungen miteinander verknüpft, sodass eine Abfolge entsteht, an dessen Ende es einmal ein Click und dann ein Leckerli gibt.

Mögliche Fehlerquellen

Im Buch wurde jeder Schritt sehr ausführlich und detailiert beschrieben, zum einen das Handeln des Menschen, als auch das daraus resultierende Handeln der Katze. Sehr hilfreich fand ich, dass die Autorin Martina Braun auch auf mögliche Fehlerquellen hinwies wie das erschwerte Erlernen der Konditionierung, wenn das konditionierte Geräusch ein Alltagsgeräusch ist.

Ungewünschte Verhaltensweisen

Zu meinem Leidwesen zeigte meine Katze aber auch noch ganz andere Handlungen, wie ständig abwechselndes Hinsetzten und wieder Aufstehen oder maunzen, die im Buch nicht beschrieben waren – ich als Clicker-Laie war überfragt. Soll ich trotzdem clicken, gibt es dafür wirklich ein Leckerli, war dieses Verhalten gerade nur Zufall? Wieso reagiert die Katze vollkommen anders, als die Male zuvor? Meine Miez merkte sehr schnell, dass es, sobald sie sich hinsetzte, ein Leckerli gab. Das nutzte sie zu ihrem Vorteil, da sie nach geraumer Zeit das „Hinsetzten“ nur noch antäuschte und mit dem Po einige cm über dem Boden schwebte und dennoch auf das Leckerli wartete. Natürlich gab es dafür kein Click und kein Leckerli mehr, was aber die Folge hatte, dass meine Katze nun weder das „Sitzen“ noch das „Herkommen“ zeigen wollte. Ich suchte im Buch nach Lösungsansätzen oder ähnlichen Beispielen um zu erfahren, wie ich das Verhalten meiner Katze deuten sollte oder wie ich darauf richtig reagieren konnte. Da ich leider nicht fündig wurde beschloss ich, das Training noch einmal von vorne zu beginnen und genau darauf zu achten, wann meine Katze eine Handlung ordentlich ausführt und wann sie diese nur antäuscht.

Nach einigen Tagen hatte sie die Handlungsabfolge wieder richtig gelernt und zeigte sie mustergültig. Es dauerte aber nicht lange, da schlich sich schon wieder ein Fehler ein: Ich forderte meine Katze mit „Pfote“ auf, die Pfote zu heben, und aus irgendeinem Grund hob sich zunächst die rechte Pfote ganz leicht an, stellte sie gleich wieder ab und hob anschließend die linke Pfote hoch bis der Click kam. Mein Fehler war, dass ich geclickt hatte und ein Leckerli gab, obwohl ein Fußwechsel stattfand. Am Anfang ist mir das noch gar nicht aufgefallen, da ich stolz war, dass meine Katze das Verhalten zeigte. Das führte nun soweit, dass sie jedes Mal, wenn Kommando „Pfote“ von mir kommt, sie zunächst rechts, dann links die Pfote hebt.

Inzwischen habe ich aber noch die Worte „Rechte Pfote“ und „Linke Pfote“ eingeführt, sodass der Beinwechsel gewollt aussieht. Freunde und Familie kann ich mit der Handlungssequenz jedenfalls sehr beeindrucken.

Wir haben nun lange Zeit nicht mehr trainiert, aber selbst wenn ich es nur einmal im Monat fordere, klappt die Abfolge der Handlungen nach zwei Versuchen wieder wie am Schnürchen.

Für Fortgeschrittene: Targeting

Momentan beschäftige ich mich mit dem Targeting, einer Erweiterung des klassischen Konditionierens, bei dem die Katze einen Zeigestab oder Stock folgt. Dazu gibt es im Buch ein sehr anschauliches und leicht verständliches Kapitel. Mein Ziel ist, Ruby später über Hindernisparcours lotsen zu können und ihre Konzentration zu steigern. Targeting kann außerdem helfen Ängste vor Menschen oder Gegenständen abzubauen. Derzeit stehe ich allerdings noch am Anfang, weil meine Miez ja erst wieder lernen muss, dass sie den Stab mit der Nase berühren muss.

Eines ist jedenfalls sicher: Das Clickertraining macht sowohl Mensch als auch Tier Spaß! Es regt die Katze zum Überlegen, Denken und Ausprobieren an, es gibt unglaublich viele Erfolgsmomente und stärkt dadurch die Katze-Mensch-Bindung. Für mich persönlich fand ich es auch noch sehr interessant zu sehen, wie die Handlungen der Katze allein von meinen Handlungen abhängen und beeinflussbar sind. Inzwischen kann ich genau einschätzen wann meine Katze wie reagiert. Aus diesem Grund kann ich das Buch „Clickertraining für Katzen“ von Martina Braun jedem Katzenhalter empfehlen der Freude an anspruchsvoller Beschäftigung seiner Katze hat.

Zur Autorin:

Pfotenhieb-Leserin Manuela Huber ist angehende Berufsschullehrerin und lebt mit ihrem Lebensgefährten Daniel und Katze Ruby in Dresden. Zu ihren Hobbys gehört (natürlich) das regelmäßige Clickertraining mit der selbstbewussten Ruby sowie das Erkunden von Katzen-Literatur. Manuela Huber schreibt aktuell an ihrem ersten Katzenroman.

Zum Weiterlesen:

Buchbesprechung „Clickertraining für Katzen“ von Martina Braun

Mit Speck fängt man Mäuse: Selbstversuch Clickertraining

Buchbesprechung: Trickschule für Katzen von Christine Hauschild

Wenn Katzen Langeweile haben: Spiel und Spaß mit Katzen

Langeweile muss nicht sein – Wohnungskatzen beschäftigen

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Category: Buchbesprechung, Buntes

Comments (1)

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  1. Julia kolominski sagt:

    Hallo ich hab da mal eine frage… Ich habe meine Katze Woody erst 3x trainiert, am Anfang leider hatte ich keinen blassen Schimmer und setzte mich vor der Katze hin ,und zeigte ihr das Leckerchen und klickte als sie es anguckte nur ich klickte auch wenn sie um mich herlief oder abgelenkt war… Nun meine frage, kann ich nochmal ganz von vorne anfangen und sie umtrainieren damit sie versteht was ich von ihr will ? Oder ist sie nun hoffnungslos verloren und verbindet nichts mehr mit dem Klicker ? Danke schon mal :)

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