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„Ciao Mauzi“: Dem verstorbenen Tier ein Denkmal schaffen

22. März 2011 | By More

Gerade noch hielten wir ein kleines Fellbündel in der Hand, haben es aufgezogen und gepflegt – doch irgendwann ist der Moment gekommen, in dem auch der engagierteste Katzenhalter Abschied von seinem Liebling nehmen muss.

von Lena Landwerth

Foto: Lisa Gomez Ringe

Foto: Lisa Gomez Ringe

Die Katze ist zu einem vollwertigen Familienmitglied geworden. Genügend Zeit, um den Verlust zu verarbeiten und Anteilnahme von Freunden und Bekannten sollten darum selbstverständlich sein. Leider werden Trauernde oft belächelt, sobald es sich bei dem Verstorbenen nicht um einen Menschen, sondern um ein Haustier handelt. Ein Grab im Garten? In Ordnung. Aber damit soll das Thema auch bitte abgefrühstückt sein…

Als Helga Schneider sich nach zwölf Jahren Zusammenleben von ihrer geliebten Perserkatze Marry verabschieden musste, brach für die 78-Jährige eine Welt zusammen. Zwar war der Abschied vorhersehbar gewesen, Marry litt schon seit Jahren seit einer unheilbaren Krankheit – doch konnte sich die Rentnerin ein Leben ohne ihre Katze gar nicht mehr vorstellen. „Das Schlimmste war, ihren kleinen Körper auf den Behandlungstisch zurückzulassen… Das fühlte sich einfach nicht richtig an.“ Helga Schneider wohnt selbst in einer Etagenwohnung, ohne Möglichkeit, ihre geliebte Katze zu beerdigen. Tochter und Sohn wohnen gute 500 Kilometer entfernt und waren auch nicht begeistert, extra nach München zu fahren, um eine tote Katze abzuholen.

Ein Grab im Garten
Doch unter welcher Bedingung darf man seinen geliebten Freund überhaupt im Garten begraben? Hierum ragen sich viele Gerüchte. Fakt ist, dass das Tierkörperbeseitigungsgesetz sehr genaue Vorgaben gibt, wann, wie und wo Tiere begraben werden dürfen. Das Tierkörperbeseitigungsgesetz wurde ursprünglich aus Seuchenschutzgründen niedergeschrieben. Aus diesem Grund dürfen Tiere, die an einer meldepflichtigen Krankheit gestorben sind, nicht im eigenen Garten begraben werden, um Mensch und Tier nicht zu gefährden. Das Grab darf außerdem nicht in einem Wasserschutzgebiet liegen, und zu öffentlichen Wegen und Plätzen muss ein Abstand von ein bis zwei Metern eingehalten werden. Das tote Tier sollte in ein leicht verrottendes Material – zum Beispiel eine Wolldecke – gewickelt und mit einer Erdschicht von 50 Zentimetern bedeckt werden.

Foto: Kleintierkrematorium im Rosengarten

Foto: Kleintierkrematorium im Rosengarten

Die Alternativen
Doch die Möglichkeit, das Tier im eigenen Garten beizusetzen, haben nur wenige Tierfreunde. Wer seinem Tier trotzdem ein ordentliches Begräbnis schenken möchte und es nicht beim Tierarzt zurücklassen will, kann auf spezielle Tierkrematorien und Tierfriedhöfe zurückgreifen. Während es bisher nur relativ wenige Tierkrematorien in Deutschland gibt, finden sich Tierfriedhöfe schon in der Nähe fast jeder großen Stadt. Dabei sind diese Stätten nicht nur ein dunkler Ort des Todes und der Trauer: „Wir möchten Trauernden einen Ort der Ruhe und Besinnung bieten, in dem sie Abschied von ihrem Tier nehmen können“, erklärt Gisela Nietfeld vom Kleintierkrematorium „Im Rosengarten“. „So haben wir von Anfang an Wert darauf gelegt, ein freundliches Ambiente zu schaffen.“ Im Kleintierkrematorium in Badbergen gibt es eigene Verabschiedungsräume, in denen die Tierhalter noch einmal in Ruhe Abschied von ihrem Tier nehmen können. Die Möglichkeit zur Beerdigung vor Ort gibt es in Badbergen leider nicht. Doch der Rosengarten, der dem Kleintierkrematorium in Badbergen seinen Namen verlieh, ist nicht nur Teil des Markennamens, diesen Rosengarten gibt es wirklich. Wer die Asche seines Tieres nach der Kremierung nicht mit nach Hause nehmen will, kann sie hier im Rosengarten verstreuen – eine romantische Vorstellung. „Jedes Tier wird hier aber in den Kreislauf der Natur zurückgeführt, indem die Asche auf unserer Waldwiese oder im Rosengarten verstreut wird“ verspricht Gisela Nietfeld. „Je nach Wunsch senden wir die Asche auch zum Tierbesitzer zurück.“.

Übrigens: Auch, wer sein Tier auf den tierärztlichen Behandlungstisch zurücklässt, kann sich für eine Feuerbestattung entscheiden. Viele Tierärzte bieten ihren Kunden die Verbrennung über ein Tierkrematorium an, der Tierfreund kann in den meisten Fällen die Asche seines Vierbeiners zurückerhalten.

Tierfriedhof
Wer seiner Katze aber ein richtiges Grab bieten will, ist mit einem Tierfriedhof richtig beraten. Hier läuft fast alles so ab wie beim großen menschlichen Bruder. In München zum Beispiel haben Tierfreunde die Wahl zwischen einem anonymen Grab und einem Reihengrab, jeweils als Erd- oder Feuerbestattung.  Die Entscheidung für oder gegen die ein oder andere Grabform ist rein persönlicher Natur: Bei einer anonymen Bestattung liegt das Grab in einem Gräberfeld, das mit Rasen bedeckt ist. Die Anbringung einer Grabplatte ist meistens möglich, wer aber Wert darauf liegt, die letzte Ruhestätte seines Tieres zu verschönern und dekorieren, ist mit einem Einzelgrab besser beraten. Dieses kann nach Wunsch geschmückt und bepflanzt werden. Das bedeutet aber auch eine gewisse Verpflichtung: Woche für Woche, Jahr für Jahr muss das Grab gepflegt werden – auch dann, wenn schon wieder ein neues Tier da ist, das natürlich auch Aufmerksamkeit verdient. Die Kosten für ein Einzelgrab sind zudem höher als die für ein anonymes Grab, meistens bewegen sich die Preise zwischen 70 und 100 EUR pro Jahr für ein kleines Katzen-Reihengrab, Einzelgräber sind meistens gegen einen Aufschlag erhältlich. Dazu kommen einmalige Bestattungskosten. Oft gibt es auch die Möglichkeit, das Grab von einem Friedhofsgärtner pflegen zu lassen.

Trauerportale
Doch Friedhöfe gibt es nicht nur „real“. Zahlreiche Online-Trauerportale ermöglichen es, dem geliebten Tier virtuell ein Denkmal zu schaffen. Auch auf der Homepage des Kleintierkrematoriums hat die Familie Nietfeld ein eigenes Trauerportal eröffnet. Unter http://www.abschied-im-rosengarten.de/ können Tierhalter vom Abschied von ihrem Tier berichten – und ermöglichen es Tierfreunden gleichzeitig, sich noch vor dem Trauerfall über das jeweilige Institut zu informieren. „Gestern hatten Sie sich ja in hingebungsvoller Weise meinem Rotti-Mädchen Ronja angenommen. Dafür ein herzliches Dankeschön, es war (darf man das von einer Einäscherung sagen?) ein wunderschöner Abschied, den Sie ihr bereitet haben. Obgleich ich einige Bedenken hatte… Es war aber gut und richtig, Ronja bis zum Schluss zu begleiten. So hatte das Kapitel, wenn auch ein trauriges, ein richtiges Ende“, schreibt zum Beispiel eine Tierfreundin über den Abschied von ihrer Rottweiler-Hündin. „Und bitte nehmen Sie es mir nicht übel, wenn ich schreibe, dass ich hoffe, dass wir uns nicht allzu schnell kontaktieren…“

Die Entwicklung einer Trauerkultur
Die Trauerkultur rund ums Tier wird immer ausgefeilter – kein Wunder, sind Haustiere doch mittlerweile vollwertige Familienmitglieder. Je nach Geldbeutel gibt es die verschiedensten Möglichkeiten, seinem Haustier ein schönes Begräbnis zu bieten oder ihm ein Denkmal zu schaffen. Ob dies gewünscht ist oder nicht, ist reine Geschmackssache – eins ist aber sicher: Ein „richtiges“ Begräbnis erleichtert es, Abschied zu nehmen. Das heißt natürlich nicht, dass das geliebte Tier vergessen wird – ganz im Gegenteil! Helga Schneider hat sich trotzdem gegen eine neue Katze entschieden. „Ich bin auch nicht mehr die Jüngste und möchte einfach nicht mehr die Verantwortung übernehmen“, verrät sie der Pfotenhieb-Redaktion.

Zum Weiterlesen: Trauer – Abschied von einem Freund

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Category: Katzenleben

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