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Über abhängige und unabhängige Ernährungsstudien

27. Oktober 2011 | By | 10 Replies More

Aufwendige Studien belegen nun, was viele Katzenhalter schon lange wussten: Tierfutter-Gigant Mars Petcare, Hersteller von bekannten Futtermarken wie Whiskas, Sheba und Felix, hat vom hauseigenen WALTHAM® Centre for Pet Nutrition Studien zur Katzenernährung durchführen lassen und in seiner neusten Pressemeldung darauf hingewiesen, dass eine kombinierte Fütterung von Trocken- und Feuchtfutter die Gesundheit der Katze fördert. Es stellt sich die Frage nach der Unabhängigkeit der Untersuchungen.

von Lena Landwerth

Foto: Pixelio.de, Kurt Michel

Foto: Pixelio.de, Kurt Michel

Drei Studien des WALTHAM® Centre for Pet Nutrition, das unter der Schirmherrschaft von Mars Petcare steht, sollen die optimale Fütterungsform für die Katze belegen. „Die richtige Mischung von Feucht- und Trockenfutter vereint die Vorteile beider Futtertypen. Dies haben viele Katzenhalter bei der Fütterung ihrer Tiere schon immer instinktiv richtig gemacht“, so Dr. Cornelia Ewering, Tierärztin und Ernährungsexpertin bei Mars Petcare, in der Unternehmensmitteilung vom 27. Oktober 2011.

Unter Katzenhaltern ist schon lange bekannt, dass eine ausschließliche Trockenfütterung zu einer erhöhten Gefahr für Nieren- und Blasensteinen führen kann. Auf der Produktseite von Whiskas betont Mars Petcare, „Ob Feucht- oder Trockenfutter oder eine Kombination aus beidem, alles ist möglich.“ Da Trockenprodukte kaum Wasser enthalten, müsse die Katze deutlich mehr trinken. In der Studie des Mars-eigenen Forschungszentrums rudert das Unternehmen nun zurück: „Mit der Gabe von Trockenfutter wird selbst bei reichlichem Angebot von Trinkwasser nicht das gleiche Niveau erreicht, wie mit der Gabe von Feuchtfutter“, heißt es in der Studie. Studienleiterin Dr. Abigail Stevenson: „Dass die Erhöhung des Urinvolumens ein positiver Ansatz zur Verringerung des Auftretens von Blasensteinen ist, wussten wir schon länger. Nun zeigen wir erstmals in einer umfassenden Untersuchung, dass ein Feuchtigkeitsgehalt der Nahrung zwischen 53 und 73 Prozent optimale Effekte hat.“ Diesen Feuchtigkeitsgehalt in der Nahrung stelle nur Feuchtfutter sicher.

Eine bereits im Juli veröffentlichte Arbeit aus WALTHAM® zeigte bereits, dass die Feuchtfutter-Fütterung zur Gewichtsreduktion beiträgt. „Das Kontrollieren der Portionen und das Angebot von Feuchtfutter können hilfreiche Maßnahmen für ein Gewichtsmanagement sein“, lautet das Ergebnis.

Dennoch sollen Katzenhalter laut Mars nicht ganz auf die Fütterung von Trockenfutter verzichten: „Zähneputzen, Zahnpflege-Snacks und regelmäßige Checks beim Tierarzt sind der „Goldstandard“ in der Prävention. Unsere Untersuchung zeigt, dass schon das Angebot von Trockenfutter neben der selbst zubereiteten Nahrung deutlich positive Effekte auf die Unterstützung der Maul- und Zahngesundheit der Tiere haben kann“, so Dr. Catherine Buckley, die Autorin der Studie. Dort heißt es wortwörtlich: „Die alleinige Fütterung von Trockenfutter kommt der Zahngesundheit bei Katzen und Hunden entgegen” („Feeding only a dry diet was beneficial for oral health in cats and dogs”).

Unter Katzenhaltern aber ist die Trockenfütterung unter Verruf geraten – und das nicht erst seit Erscheinen von Ulrich Grimms „Katzen würden Mäuse kaufen„. Grund ist neben der Gefahr für Nierenprobleme die meistens unzureichende Zusammensetzung des Futters, die zahnreinigende Wirkung der Kroketten gilt zudem als umstritten. Der Grund: Viele Trockenfutter-Kroketten sind so klein, dass sie von der Katze ohne Kauen geschluckt werden oder aber, falls ein Kauvorgang stattfindet, in kleine Brösel zerfallen, die Rückstände im Maul zurücklassen und einen Nährboden für Bakterien bilden. Der von Mars Petcare propagierte Reinigungsvorgang bleibt so aus. „Um eine effektive Reinigung von Zähnen und Zahnfleisch zu erreichen, muss das Futter einige Zeit mit beidem in Berührung bleiben“, heißt es auch im Artikel „Die Wahrheit über Trockenfutter“ von Michelle Bernand.

Studie – ja. Unabhängig? Nein
Leider fehlen unabhängige Studien zur Wirkung von Trockenfutter auf die Zahngesundheit. Auch das WALTHAM® Centre for Pet Nutrition steht unter der Schirmherrschaft von Mars Petcare. Die Initiative des Unternehmens zur Ernährungsforschung bei Katze und Hund ist lobenswert – dennoch stellt sich die Frage nach der Unabhängigkeit der Studien. „Waltham unterstütz nahmhafte Marken wie Whiskas®, Pedigree®, Trill®, Cesar®, Sheba®, Kitekat®, Aquarian®, Winergy® and Royal Canin”, heißt es auf der Unternehmenshomepage des WALTHAM® Centre for Pet Nutrition. Davon, dass Mars Petcare Waltham unterstützt und nicht anders herum, wird hier natürlich nichts geschrieben. Das Interesse des Unternehmens an der Verkaufsförderung der eigenen Produkte ist nicht zu verleugnen – über die Fütterung von Rohfleisch wird in der vom Futterkonzern gesponserten Studie darum nicht gesprochen. Auf der Whiskas Homepage heißt es hierzu: „Rohes Fleisch kann Krankheitserreger enthalten. Insbesondere über rohes Schweinefleisch kann das Virus der Aujeszkyschen Krankheit, die bei der Katze stets tödlich verläuft, übertragen werden. Aber auch in rohem Fisch, Rind- und Geflügelfleisch können Erreger wie Salmonellen und Wurmlarven stecken. Da diese erst bei sehr hohen Temperaturen abgetötet werden, sollte Fleisch nie roh verfüttert werden.“

Nichts desto trotz: Viele Katzenhalter, denen Zeit oder Interesse fehlt, sich genau mit der Ernährung ihres Vierbeiners auseinanderzusetzen, greifen im Supermarkt zu Produkten von Mars Petcare oder vertrauen auf die beim Tierarzt ausliegenden Broschüren des gleichen Unternehmens. Die Abkehr von der bisherigen Firmenphilosophie zu einer Mischfütterung ist darum immer noch als positiv anzusehen.

Quellen:
Pressemitteilung Mars Petcare

WALTHAM® Centre for Pet Nutrition

Studie zur Zahngesundheit, Mars Petcare

Studie zur Gesundheit der Harnwege, Mars Petcare

Studie zur Gewichtsreduktion, Mars Petcare


Artikel „Die Wahrheit über Trockenfutter“ von Michelle Bernand
(Deutsche Übersetzung)

Artikel „Feline Nutrition“ von Max House (Deutsche Übersetzung)

Whiskas Homepage

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Category: Katzenernährung

Comments (10)

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  1. Beitrag aus dem "Pfotenhieb" zu Ern | 28. Oktober 2011
  2. Interessanter Radiobeitrag Katzenfutter - Seite 7 - Katzen Forum | 22. Januar 2012
  3. Anonymous | 20. März 2012
  1. Ein Lichtstreif am Horizont auf dem Weg zur guten Katzenernährung!

    Nun muss es die Industrie noch schaffen, die Tierärzte davon zu überzeugen. Was nicht schwer sein dürfte, vertreiben doch viele Tierärzte gerade die Marken Waltham® und Royal Canin® selbst in ihrer Praxis – und „wes Brot ich ess‘, des Lied ich sing’… 😉

  2. Ich halte Studien die vom, egal welchem, Hersteller in Auftrag gegeben worden ist im Grunde nix.
    Denn da liegt der Verdacht nahe das das untersuchende Institut in’s Hersteller „Horn“ bläst.
    „Man beißt nicht die Hand die einen Füttert“.

    G. Güttsches

  3. …denn wir können uns entscheiden, womit wir uns ernähren,
    unsere Tiere leider nicht.

  4. Katrin sagt:

    Möchte man die eigene Katze gesund ernähren, hilft es, sich ein wenig in die Thematik einzulesen. Studien, die von Herstellern etc. in Auftrag gegeben worden sind, sind nicht immer nur schlecht, bzw. verfälschen das Urteil. Wer ein bisschen kritisch die Aussagen liest, kann trotzdem ein Ergebnis aus diesen Studien herauslesen.

  5. Der verantlwortungsvolle Katzenbesitzer weiß (wie auch im Artikel erwähnt) schon lange, dass eine ausschl. Fütterung von TroFu der Katzengesundheit nicht dienlich ist. Aber die breite Masse? Habe etliche Jahre Katzen in einem Tierheim vermittelt und zahllosen Katzenbesitzer kennengelernt und dabei festgestellt, dass sehr viele den Medien und vor allem den Tierärzten vertrauen, von denen m. M. nach viele eine zweifelhafte Meinung zu guter Katzenernährung haben. Auf der Website der Futterkette ‚Fressnapf‘ steht ebenfalls geschrieben, dass eine kombinierte Fütterung von TroFu und NaFu der Katzengesundheit dienlich sei – basiert sicherlich auf o.g. Studien und natürlich wollen die doch auch die Tonnen von TroFu weiter vertreiben, aber wie ich finde schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Sehr gefreut habe ich mich, als ich gestern Abend den TV-Tierarzt Dr. Wolf bei Hund, Katze, Maus, der gerade einer Katze einen großen Ca-Oxalat-Sein aus der Blase operiert hatte, sagen hörte, dass Trockenfutter eine völlig ungeeignete Ernährung für Katzen sei …!! hört, hört! Mehr davon!

  6. Karin Wolf sagt:

    Wer schon mal im Zoo gewesen war kann feststellen das dort Raubkatzen und dgl. immer mit rohem Fleisch
    gefütteret werden.Denn das Dt. Tierschutz Gesetz sagt,wer Tier hält muß diese ihrer Art entsprechend ernähren.Nicht nur satt machen.Also was soll die Diskusion um Naß oder Feuchtfutter.80% der heutigen Krankheiten sind fütterungs bedingt!! Kranke Haustiere bringen der Wirtschaft halt mehr Umsatz und nur darum geht es.

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