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Frühkastration – eine emotionale Entscheidung?

27. Dezember 2014 | By | 22 Replies More

Foto: zopflise, pixelio.de

Foto: zopflise, pixelio.de

Beim Thema Kastration scheint es bei vielen Katzenbesitzern auch in Zeiten überlaufener Tierheime weniger um das eigene Wohl der Katze, sondern eher um die eigene Gefühlswelt zu gehen. Ist es fair, der Katze eigene Kinder zu verweigern? Fühlt sich der Kater auch kastriert wohl? Möchte ich vielleicht irgendwann kleine Katzenkinder aus meinem geliebten Sofatiger ziehen?

von Lena Landwerth

Nicht zuletzt geht es hier auch um Klischees: Sieht mein Kater auch kastriert wie ein Kater aus oder wird er nie den typischen Katerkopf ausbilden? Wird meine Katze nach der Kastration dick und langweilig? Während man vor wenigen Jahrzehnten Katzen erst nach dem ersten Wurf sterilisierte oder kastrierte, gehen heutzutage immer mehr Tierärzte zur Frühkastration über. Doch was bedeutet das für die Katze?

Die Frühkastration

Während man vor wenigen Jahrzehnten Katzen erst nach dem ersten Wurf sterilisierte oder kastrierte, raten heutzutage immer mehr Tierärzte zur Frühkastration. Was sich barbarisch anhört, ist durchaus zum Wohl der Katze: Wird der Vierbeiner schon vor Eintritt der Geschlechtsreife kastriert, also mit ungefähr vier bis sechs Monaten, wird eine unerwünschte Trächtigkeit sicher und zuverlässig vermieden, was gerade bei Freigängern oder Tieren, die Kontakt zu eventuell potenten Artgenossen haben, von Vorteil ist.

Eine unglaubliche Zahl

Ein einziges Katzenpaar sorgt in einem Jahr für durchschnittlich 13 Nachkommen. Werden diese nicht kastriert und pflanzen sich weiter ungehindert fort, kann sich diese Zahl nach fünf Jahren theoretisch auf etwa 13.000 Nachkommen steigern. Selbst, wenn ein Teil der Nachkommen kastriert oder sterilisiert wird oder nie eigene Nachkommen zeugen, steht am Ende immer noch unglaubliche Zahl, die Folgen hat: Allein in den USA werden jahrjährlich etwa 10 Millionen Katzen eingeschläfert, weil es für sie kein Zuhause gibt. Zwar gibt es in Deutschland glücklicherweise keine Tötungsstationen, eine Überpopulation an streundenen Katzen besteht dennoch – und das nicht nur in ländlichen Gegenden. Schätzungsweise leben allein in der Bundeshauptstadt Berlin zwischen 50.000 und 100.000 Katzen auf Mülldeponien, in leerstehenden Häusern oder auf Friedhöfen.

Und selbst für die, die ein Zuhause finden, muss das Glück nicht von Dauer sein: Aufgrund von Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit werden immer mehr Tiere aus wirtschaftlichen Gründen ausgesetzt und abgegeben. Die steigenden Lebenshaltungskosten bei einer gleichzeitigen Angst vor Arbeitslosigkeit oder finanziellem Abstieb lassen immer weniger Leute ein Tier aus dem Tierheim bei sich aufnehmen.

Sieht doch gar nicht so schlimm aus: Kastrationsnarbe bei einer fünf Monate alten Kätzin. Foto: Lisa Gomez Ringe

Sieht doch gar nicht so schlimm aus: Kastrationsnarbe bei einer fünf Monate alten Kätzin. Foto: Lisa Gomez Ringe

Eine frühe Kastration ist dabei nicht nur im Interesse des Tierschutzes. Wie Langzeituntersuchungen von der WINN Feline Foundation in Zusammenarbeit mit der American Veterinary Medical Association gezeigt haben, verläuft der Eingriff bei jüngeren Katzen unkomplizierter, negative Begleiterscheinungen wie zum Beispiel eine verminderte Körpergröße bei Katern konnten nicht festgestellt werden. Harnröhrendurchmesser und die Körpergröße waren bei früh- und spätkastrierten Katzen gleich, frühkastrierte Kater zeigten sich aber durchaus weniger aggressiv als ihre gleichaltrigen, spätkastrierten Artgenossen. Ein weiteres Klischee konnte widerlegt werden: Auf die Ausbildung des typischen Katerkopfes soll die Frühkastration keinen Einfluss nehmen – dieser sei ausschließlich genetisch bedingt. Also immer mehr Argumente gegen Kastrationsgegner?

Wie entscheiden Sie?

Obwohl diese Fakten schon lange bekannt sind, werden leider immer noch viele Katzen gar nicht oder zu spät kastriert. Bei der Frage nach der Empfängnisverhütung beim Vierbeiner scheint leider immer noch nach emotionalen Gesichtspunkten entschieden zu werden, die nicht immer zum Wohle des Tieres sind… Wie haben Sie sich entschieden? Wir freuen uns über Ihre Kommentare!

Linksammlung

Weitere Infos zur Studie gibt es unter http://www.winnfelinehealth.org.
Infoblatt der Cat Care Tierhilfe Kassel: http://www.cat-care.de/fruehkastration.pdf

Zum Weiterlesen:

Kastration – kleiner Eingriff, große Wirkung

Wirtschaftskrise geht Tieren an den Kragen

Kastrationspflicht und Katzensteuer

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Category: Katzengesundheit

Comments (22)

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  1. Olaf Pietzsch sagt:

    ich habe ihn gelesen, und eigentlich nur das erfahren, was ich schon wußte.
    das soll jetzt nicht geringschätzig wirken…..
    vor einem jahr beschäftigte ich mich schon einmal mit dem thema frühkastration. und genau diese argumente haben uns veranlast unsere Kiki mit 6 monaten kastrieren zu lassen.
    kurze zeit später war sie tot.
    erst danach haben wir erfahren, daß sie durch die frühkastration, nicht die möglichkeit hatte hormonell abwehrstoffe auszubilden.

    Sie starb an Leukose

    der artzt hat ganz sauber gearbeitet, die eltern sind leukosefrei, die nachkommenden geschwister sind auch gesund.

  2. Hallo Olaf,

    danke für Deine Nachricht! Das mit Eurer Kiki tut uns sehr leid… Kannst Du uns zum Thema hormonelle Abwehrstoffe durch Frühkastration irgendwelche Quellen nennen? Meiner Meinung nach werden die Antikörper gegen Leukose ganz normal bei Kontakt mit dem Krankheitserreger gebildet und hängen keinesfalls mit den Geschlechtshormonen und mit dem Kastrationszeitpunkt zusammen. Es kann aber auch sein, dass mir da Informationen fehlen!

    Vielen Dank,

    Lena

  3. Hallo Pfotenhieb-Team,

    immer mal wieder schaue ich vorbei, was es Neues auf Eurer Seite gibt.
    Ich freue mich über diesen Beitrag, denn die Vorurteile zum Thema Frühkastration sind noch sehr verbreitet.

    Ich selbst züchte Maine Coons – noch nicht sehr lange – aber eines war für mich von Anfang an klar war:
    Meine Kitten verlassen nur kastriert das Haus.
    Das mag einigen schitzophren erscheinen – auf der einen Seite „produziere“ ich Katzen, auf der anderen plädiere ich für die Kastration!
    Mit dieser Maßnahme möchte ich meine Kitten vor Scharlatanen schützen, an Menschen zu geraten, die sie als Gebähr- oder Deckmaschine ausbeuten wollen.
    Aber auch ich schaue den Leuten trotz intensiver Auswahlgespräche nur vor den Kopf…

    Das Internet ist voll von Kätzchen, die zu früh der Mutter entrissen werden; Kätzinnen, die sogar schwanger verkauft, oder Kater die non Stop zum Decken angeboten werden…
    Ich würde es mir nie verzeihen eines meiner Babys in solchen Händen zu wissen.
    Denn egal, was wir in unsere Kaufverträge schreiben, ist das Tier erst einmal ausgehändigt, hat man keinerlei Handhabe mehr darüber, was mit ihm geschieht.

    Herzliche Grüße
    Christine Gläser

  4. Ich finde es erschreckend, daß auch die Welle der Frühkastration aus Amerika seit einigen Jahren nach Deutschland übergeschwappt ist. Seit 1968 lebe ich mit Katzen und kann nicht verstehen, daß man das physische, psychische und soziale Erwachsenwerden sich und vor allem diesen Tieren einfach so entgehen lassen kann und möchte. Und jeder, der anderes behauptet, nämlich daß die Frühkastration darauf keinen Einfluß nehmen würde, hat schlicht und einfach Unrecht – das muß einem doch schon die Logik sagen! Bei Hunden werden viele Kritiker laut, wenn es um dieses Thema geht, sogar wenn es um das Thema Kastration überhaupt geht. (Um Nachkommen zu verhindern würde auch eine Sterilisation ausreichen, die nicht in den Hormonhaushalt eingreift.) Bei Hunden ist es natürlich viel einfacher die Nachkommen sowie sämtliche Verhaltensweisen, die damit zu tun haben, zu kontrollieren als bei Katzen. Deshalb ist bei Katzen letztendlich die Kastration die Methode der Wahl. Aber bitte in einem „fairen“ Alter“, wenn die Pubertät abgeschlossen ist, denn die Geschlechtshormone haben einen wichtigen Einfluß auf alle anderen Hormone im Körper sowie auch auf das Immunsystem. Wer ganzheitlich denkt, dem leuchtet es sehr schnell ein, daß man nicht irgendwo etwas wegnehmen kann, ohne an anderer Stelle damit etwas durcheinanderzubringen. An dieser Stelle möchte ich den Anfang eines Artikels zitieren, der diesen Monat in einer schweizer Hundezeitung erschien. Die Autoren sind Dr. Udo Gansloßer, Privatdozent für Zoologie an der Universität Greifswald.und Sophie Strodtbeck, Tierärztin (website http://www.einzelfelle.de). Ich habe die beiden angeschrieben und sie haben mir freundlicherweise ihren Artikel gesendet. Da ich mir nicht sicher bin, inwieweit er zur Veröffentlichung freigegeben ist, zitiere ich wie gesagt nur den Anfang: Zu beachten ist der letzte Satz, daß die chemischen Prozesse bei ALLEN höheren Säugetieren als gleichartig anzusehen sind. Dies vorweg, damit die Befürworter der Frühkastration bei Katzen nicht behaupten, diese würde sich bei den verschiedenen Tierarten unterschiedlich auswirken.

    „Artikel für Schweizer Hundemagazin: Neurobiologische Aspekte der Kastration beim Hund

    Autoren: Udo Gansloßer, Sophie Strodtbeck

    Die neurobiologischen Aspekte einer Kastration beim Hund sind durch Wechselwirkungen zwischen Hormonen, Botenstoffen im Gehirn und dem Immunsystem zu verstehen. Die Einflüsse der Sexualhormone auf den Spiegel verschiedener Botenstoffe im Gehirn und auf die Wirksamkeit des Immunsystems wurden erst in der jüngsten Vergangenheit untersucht. Des weiteren ist zu beachten, dass durch komplexe Regelkreissysteme innerhalb des Hormonsystems nicht nur der Sexualhormonspiegel beeinflusst wird, wenn es zu einer Kastration kommt. Von besonderer Bedeutung ist hierbei der Aspekt einer Frühkastration, wobei wir unter Frühkastration jede Entfernung der Geschlechtsorgane vor dem Ende bzw. Abklingen der Pubertät verstehen müssen. Die Pubertät endet bei Hunden erst im Alter von mehreren Jahren, rasseabhängig kann es bis zu 3-4 Jahren dauern, bevor ein Hund sozial und psychisch als erwachsen bezeichnet werden kann. Als Richtwert mag gelten, dass Hündinnen, wie auch viele Erfahrungsberichte zeigen, nach dem vollständigen Durchlaufen der dritten Läufigkeit, einschließlich anschließender Scheinschwangerschaft und Scheinmutterschaft, als erwachsen anzusehen ist, und die Entwicklungsgeschwindigkeit des Rüden sich kaum von der Entwicklungsgeschwindigkeit der Hündin unterscheidet. Daher sind die Auswirkungen einer Kastration auch im zweiten Lebensjahr noch durchaus bedeutsam, und eine Kastration vor dem Abschluss der ersten Läufigkeit bei Hündinnen ist als extreme Frühkastration zu betrachten.
    Gerade die neurobiologischen Auswirkungen der Pubertät wurden in den letzten Jahren sowohl beim Menschen als auch bei Labortieren so ausführlich dokumentiert und untersucht, dass eine Ausdehnung der genannten Erkenntnisse auf den Hund durchaus erlaubt erscheint. Die zugrunde liegenden chemischen Prozesse sind zumindest bei höheren Säugetieren überall als gleichartig zu sehen.“

    Ich hoffe, hiermit über das Thema Frühkastration aufgeklärt und vielen Katzen damit geholfen zu haben. Auch sie haben das Recht auf ALLE ihre Lebensphasen: Kitten, pubertierender Teenager, junger Erwachsener, Midlife und Alter.

    Mit besten Grüßen und einem herzhaften Miau,
    Brigitte Büchner (Tierheilpraktikerin seit über 20 Jahren)

  5. Hallo Frau Büchner,

    vielen Dank für Ihre ehrliche Nachricht! Leider bin ich nicht Ihrer Meinung, da eine ausbleibende oder späte Kastration in Hinblick auf die im Frühling folgende Katzenschwemme verheerend ist, darum muss ich leider noch einmal antworten und unsere Leser zum Nachdenken anregen. Ich bin der Meinung, dass man die Kastration einer Katze ganz klar von den eigenen Gefühlen und der eigenen Angst trennen muss. Natürlich sind Katzen Lebewesen und alle höheren Säugetiere gleichwertig – dies hat aber gar nichts mit einer Frühkastration zu tun, ganz im Gegenteil. Frühkastrierte Katzen führen ein erfülltes Leben, Rolligkeit und Mutterschaft gehören da nicht zwingend zu.

    Zuerst das Wichtigste: Der von Ihnen zitierte Artikel bezieht sich auf die Kastration von Hunden. Hunde sind sehr viel einfacher zu „kontrollieren“ als Katzen, eine ungewohnte Verpaarung kann sehr viel einfacher ausgeschlossen werden. Dagegen kann eine freilaufende, unkastrierte Katze innerhalb weniger Jahren zu hunderten Nachkommen führen. Wie stellen Sie sich die Handhabung vor, sollen die Katzen so lange im Haus gehalten werden, bis die „Pubertät“ abgeschlossen ist? Das ist meiner Meinung nach eine alte, bisher überholte und durchaus gefährliche Auffassung und ich weiß nicht, was diese „Erfahrung“ der Katze nutzen soll. Hier sollte man seine Fellnase wirklich nicht vermenschlichen. Mit der gleichen Argumentation könnte man auch die Förderung der Anti-Baby-Pille in der dritten Welt einstellen…

    Eine Frühkastration kann nicht nur tausende von „ungewollten“ Nachkommen verhindern, ich verweise auch immer wieder gerne auf die Studie der WINN Feline Foundation: Eine Frühkastration hat keinerlei negative Einflüsse auf die Entwicklung der Katze. Ganz im Gegenteil: Eine frühe Kastration verläuft sehr viel unkomplizierter, während eine späte Kastration sehr viel risikoreicher ist. Eine Sterilisation führt im Gegenteil dazu, dass die Katze immer wieder rollig wird, ohne sich aber weiter fortpflanzen zu können, eine immer wiederkehrende Stresssituation für Körper und Psyche – ist dies nicht sehr viel unmenschlicher und fast schon grausam? Das gleiche gilt für Kater: Es ist erwiesen, dass unkastrierte Kater eine sehr viel geringere Lebenserwartung haben, da die Unfallgefahr bei Streifgängen auf der Suche nach paarungsbereiten Kätzinnen natürlich steigt. Das alles sind Fakten, die man nicht ignorieren kann – eine Vermenschlichung ist mehr als gefährlich und giest Öl auf das Feuer aller Kastrationsmüden, die nicht unerheblich zur Katzenschwemme in den Tierheimen beitragen.

    Ich danke Ihnen sehr für Ihre Nachricht, bin aber weiterhin der Meinung, dass ein solches Thema von allen Seiten betrachten sollte. Eine vermenschlichte Ansicht ist absolut nicht im Sinne der Katzen.

    Viele Grüße,

    Lena Landwerth

  6. In diesem Sinne sei auch noch einmal auf die Umfrage des MDR verwiesen: http://www.mdr.de/exakt/8290151.html

  7. Hallo Frau Landwerth,

    ich muß noch einmal Stellung nehmen und aus meiner gestrigen Nachricht zitieren, denn ich habe mit meinem Kommentar nicht für eine Sterilisation der Katzen plädieren wollen. Mir sind die Problematik der eventuell ständigen Rolligkeiten sowie Markieren in der Wohnung und Streunen sehr wohl bekannt:

    Zitat vom 6.3.11: >>Bei Hunden ist es natürlich viel einfacher die Nachkommen sowie sämtliche Verhaltensweisen, die damit zu tun haben, zu kontrollieren als bei Katzen. Deshalb ist bei Katzen letztendlich die Kastration die Methode der Wahl. >>

    Trotzdem habe ich über Jahrzehnte die Erfahrung gemacht, daß Katzen nicht frühkastriert oder eingesperrt werden müssen, um ungewollte Nachkommenschaft zu verhindern. Natürlich muß man immer vom Einzelfall ausgehen, manchmal läßt es sich vielleicht wirklich nicht verhindern es vor der Pubertät zu tun. Aber nicht generell und routinemäßig und man sollte sich dann fairerweise darüber im Klaren sein, daß man es ausschließlich für nichtgewollte Nachkommen macht und nicht für die frühkastrierte Katze.

    Ich weiß, daß sich der von mir zitierte Artikel auf die Kastration von Hunden bezieht, er ist schließlich in einer Hundezeitung erschienen. Ich wußte auch, daß man dies als Gegenargument nehmen würde die Frühkastration von Katzen kritisch zu beleuchten, deshalb habe ich den letzten Satz aus dem Auszug der Autoren Gansloßer und Strodtbeck vorweggenommen und betont:

    Zitat vom 6.3.11: >>Zu beachten ist der letzte Satz, daß die chemischen Prozesse bei ALLEN höheren Säugetieren als gleichartig anzusehen sind. Dies vorweg, damit die Befürworter der Frühkastration bei Katzen nicht behaupten, diese würde sich bei den verschiedenen Tierarten unterschiedlich auswirken.>>

    Es geht mir auch nicht darum die Katzen zu vermenschlichen, sondern darum artgerecht mit ihnen umzugehen und um ihre Gesundheit und faire Behandlung. Es lohnt sich wirklich, den ganzen Artikel der o. g. Autoren zu lesen. Die bisherigen Studien zur Frühkastration der Katzen, auch die der WINN Feline Foundation, beziehen sich in erster Linie auf die körperliche Entwicklung und die Neigung zu Harnwegsproblemen. Für die physische, psychische und soziale Gesundheit der Katze ist es aber nicht ausreichend eine normale Größe und ein normales Gewicht zu haben und gut auf Klo gehen zu können. Laut den o. g. Autoren beeinflußt der Anstieg der Sexualhormone nicht nur das Größenwachstum, sondern beispielsweise auch das Immunsystem, das Herz-Kreislauf-System und sie regeln u. a. im Zusammenhang mit Streßhormonen wie dem Cortisol oder sogenannten Wohlfühlhormonen wie Dopamin und Serotonin Gefühle wie Angst, Vertrauen, Depression etc.. Es ist m. E. sehr wichtig auf dem Laufenden zu bleiben, was gestern noch gut war kann morgen schon wieder schlecht bzw. widerlegt sein.

    Zitat Gansloßer und Strodtbeck: „Die Einflüsse der Sexualhormone auf den Spiegel verschiedener Botenstoffe im Gehirn und auf die Wirksamkeit des Immunsystems wurden erst in der jüngsten Vergangenheit untersucht.“

    Ich kann Ihre Angst vor ungewollten Katzenbabys durchaus verstehen, bin aber – aus langjähriger Erfahrung – der Meinung, daß „viele Wege nach Rom führen“. Für einige Katzen eignet sich u. U. vorübergehend die „Pille“ um Nachwuchs zu verhindern bis sie alt genug sind für eine Kastration. Was im Einzelfall das beste ist, muß individuell entschieden werden, hier alle Möglichkeiten aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Die Katzenhalter über diese Wege aufzuklären sowie über alle Risiken der Frühkastration halte ich für mindestens ebenso wichtig wie über die Vorteile.

    Mit besten Grüßen,

    Brigitte Büchner

  8. Lisa sagt:

    Liebe Frau Büchner,

    welche Erfahrungen besitzen Sie mit frühkastrierten Katzen?

    Wir und viele andere Züchter haben mit der Frühkastration die allerbesten Erfahrungen gemacht. Die Katzen haben sich nicht nur körperlich völlig normal entwickelt, sie zeigen auch alle ein hervorragendes Sozialverhalten und haben je nach Charakter ihre Positition in ihrem Katzenrudel. Dabei sind keinerlei Nachteile im Wesen zu erkennen, sie sind im Gegenteil sogar sehr ausgeglichen. Typische Rangstreitigkeiten wie bei potent kastrierten Katzen gibt es nicht.
    Ich würde hingegen nie mehr einer sehr jungen Katze grundlos Hormone geben und damit gar eine Gebärmutterentzündung riskieren. Dass man ungewollte Trächtigkeiten ohne Hormone und Kastrationen vermeiden kann ist uns bekannt und funktioniert bei uns auch. Aber es ist sicherlich nicht jedermanns Sache, sich mit den Begleiterscheinungen im Zusammenleben mit potenenten Katzen auseinander zu setzen 😉

    Mit freundlichen Grüßen
    Lisa Gomez Ringe

  9. Hallo Frau Gomez Ringe,

    ich möchte so kurz es geht Ihre Frage beantworten. Grundsätzlich können konstitutions- und dispositionsbedingt alle möglichen psychischen und körperlichen Probleme auftreten, wenn man – egal ob medikametös (und hier meine ich nicht unbedingt Hormongaben, sondern auch andere „Präventivmaßnahmen'“) oder operativ – in einen intakten, harmonisch ausgewogenen Organismus eingreift. Bei frühkastrierten Katzen sind mir in den nun schon über 20 Jahren Praxiserfahrung u. a. Probleme des Immunsystems, insbesondere eine stärkere Neigung zu Autoimmunerkrankungen aufgefallen. Zudem die meisten der in dem von mir jetzt mehrmals zitierten Artikel (siehe meine vorigen Beiträge). Da dies oft nicht sofort nach der (Früh-)Kastration auftritt und die Katzen sich äußerlich betrachtet zunächst normal zu entwickeln scheinen, bringt man es selten damit in Zusammenhang.

    Im Verhalten sind frühkastrierte Katzen für den Menschen tatsächlich oft problemloser, da sie u. a. kindlicher geblieben und dadurch leichter zu händeln sind. (Aber sollte das ein Kriterium für Katzenhaltung sein? Von mir würde ein Mensch mit diesen Ansprüchen kein Kitten bekommen!) Auch innerhalb einer gewachsenen Gruppe gibt es wahrscheinlich seltener Probleme. Diese treten z. B. auf bei Freigängern, die mit fremden Katzen zusammentreffen, die das Sozialverhalten einer erwachsenen Katze haben. Die erwachsenen Katzen können oft mit dem „großen Kind“ nichts anfangen, bei den Frühkastraten bemerkt man dann häufig vermehrte Unsicherheit und folglich Streßsymptome, was sich u. a. wiederum negativ auf eine bestehende oder beginnende Autoimmunerkrankung auswirken kann. Dies kann nach Abgabe in ein neues Heim natürlich auch bei der Zusammenführung von Wohnungskatzen passieren. Damit will ich nicht sagen, daß potente oder später kastrierte Katzen keine Streßsymptome zeigen können oder nie Autoimmunerkrankungen ausbilden. Wir alle wissen, wie anfällig Katzen dafür sind, aber ich bemerke es bei Frühkastraten vermehrt. Auch Ausmaß und Therapieerfolg hängen oft damit zusammen. Mit eigenen und vielen Nachbarskatzen sowie (potenten) Streunern habe ich über bisher mehr als 25 Jahre Studien in einem großen, von Katzen gut bevölkerten Hinterhof machen dürfen. Und meine Erfahrungen gehen zum Glück noch weiter :-).

    Es ist schwierig für mich, meine Erfahrungen in wenige Sätze zu bringen ohne mißverstanden zu werden. Ich müßte ein Buch über artgerechte Haltung, Ernährung und ganzheitliche Behandlung der Katzen schreiben (wurde übrigens schon öfter an mich herangetragen ;-).

    Zum Schluß möchte ich noch etwas über die „Pille“ bei Katzen sagen. Mir sind Probleme im Zusammenhang mit richtiger und individuell angepaßter Pillengabe bei Katzen über einen begrenzten Zeitraum bisher nicht untergekommen. Nebenwirkungen traten bei einigen dafür disponierten Katzen nur auf, wenn die Hormongabe über viele Jahre erfolgte oder als hohe Dosierung mittels einer Hormonspritze. Deshalb halte ich diese Möglichkeit nach wie vor für geeignet, um die Zeit bis zur „altersgemäßen“ Kastration zu überbrücken. Ich habe selbst bei Freigängerinnen damit gute Erfahrungen gemacht.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Brigitte Büchner

  10. Lisa sagt:

    Hallo Frau Büchner,

    Sie sprechen ier immer von „altersgemäßer“ Kastration. Von einer Frühkastration spricht man bei einer Kastration vor der Geschlechtsreife. Wenn diese Eintritt sollte der Körper ja reif sein, immerhin ist er fortpflanzungsfähig. Demnach könnte man dann auch sofort kastrieren, wozu überbrücken?

    Die mir bekannten frühkastrierten Katzen sind sehr sozial, nicht nur bekannten und gewachsenen Gruppen gegenüber, immerhin ziehen ja auch erwachsene Katzen mal um. Sie sind sehr souverän im Umgang mit anderen Katzen und ausgeglichener als die potenten oder spät kastrierten Katzen. Grade diese haben oft starke Probleme mit ihrem Statusverlust, einen Status, denn die Frühkastraten gar nicht erst beanspruchen. Autoimmunerkrankungen konnten wir hingegen überhaupt nicht beobachten. Sie verhalten sich auch nicht wie Kinder, sondern schlichtweg weniger aggressiv und stehen nicht „unter Strom“. Die Freigänger die ich kenne haben hingegen oft Revierstreitereien und sind allesamt nicht frühkastriert.
    Nun ist es vielleicht aber auch schwierig gut aufgezogene und auf Gesundheit selektierte Rassekatzen mit wilden Streunern zu vergleichen die oft keine gute Gesundheitsvorsorge genießen.

    Eine Spitze muss ich mir noch erlauben: Wenn ich vom gut bevölkerten Hinterhof lese, dann wünsche ich mir doch erst recht eine Kastrationspflicht…

    Sicherlich ist es nie leicht einen Konsens zu finden, wenn man unterschiedliche Meinungen und Erfahrungen hat. Die Überpopulation an Katzen ist jedoch ein sehr großes Problem, Tiere leiden und sterben, die wenigstens Menschen sind Willens und in der Lage die Vermehrung zu vermeiden (im Gegenteil, man will ja oft sogar „einmal“ Babies), daher kann nur Frühkastration ein Weg sein, dem Herr zu werden.

  11. Hallo Frau Gomez Ringe,

    Ihre Spitze ist nicht notwendig. Der genannte gut bevölkerte Hinterhof ist sehr groß und befindet sich in Hamburg. Also einer Stadt mit vielen Menschen und somit vielen Haustieren. Die zahlreichen Katzen dort sind überwiegend kastrierte Nachbarskatzen. Einige Streuner gesellen sich immer wieder dazu, kastriert und (noch) nicht kastriert. Die Revierstreitigkeiten halten sich in Grenzen, auch wenn es immer mal wieder ausgesprochene Stänkerer gibt – meist männliche Kastraten. (Eine gute Erklärung dafür findet man in dem Buch „Katzenseele“ von Paul Leyhausen, als Katzenzüchterin werden Sie ihn sicher kennen.) Und gehören nicht Auseinandersetzungen auch zu einem normalen Katzenleben? Sie werden doch überwiegend unangenehm, wenn die Katzen zu dicht zusammenleben und nicht ausweichen können, oder wenn sie aus unterschiedlichen Gründen z. B. kein artspezifisches Verhalten zeigen (können).

    Meinen Katzen würde sicher etwas fehlen, wenn sie nicht alle möglichen Verhaltensweisen inkl. Freundschaft und Feindschaft ausleben könnten. Sie haben 11 und 12 Jahre in dem besagten Hinterhof gelebt, nach Umzug hatten sie für 1 1/2 Jahre nur noch einen gesicherten Garten, was sie sehr langweilig fanden. Zum Glück wohnen wir jetzt wieder so, daß sie ein Revier haben, wo sie mit anderen Katzen zusammenkommen und wahlweise Freundschaft pflegen oder streiten können. Mein Kater ist mit 1 Jahr und 7 Monaten kastriert worden, durfte vorher schon raus, hat keine Kinder gezeugt (weiß ich genau, er streunte nicht) und steht nicht unter Strom. Vor der Kastration natürlich gelegentlich, aber das war im normalen Rahmen und gehörte mit zu seiner Entwicklung. Er lebte zudem in einem Umfeld, wo er seinen Rang nach der Kastration nicht verlor. Dies war allerdings auch typbedingt, deshalb betone ich immer wieder, daß man bei allen Entscheidungen, die man für seine Katzen (und alle anderen Tiere) trifft, vom Einzelfall ausgehen muß!

    Mit dem Rang, den ein Spätkastrat verlieren kann, gebe ich Ihnen VÖLLIG Recht. Deshalb raten Experten gerade bei älteren männlichen Streunern, die nicht in eine Familie integriert werden können, zur Sterilisation. Das verhindert Nachkommen und greift nicht in den Hormonhaushalt und Status des Tieres ein. Und da im Verlauf dieser Diskussion auch schon von „Vermenschlichen“ gesprochen wurde: Warum gehen wir immer davon aus, daß die Tiere grundsätzlich über alle Maßen unter den Streitigkeiten leiden und ihren narbigen Kopf genauso „häßlich“ finden wie wir. Diese Streuner tun uns leid, aber vermenschlichen wir sie damit nicht eher?

    Eine altersgemäße Kastration ist nach meiner Meinung, sowie der Meinung vieler Experten wie der o. g. Autoren und z. B. Paul Leyhausen nicht sofort zum Eintritt der Geschlechtsreife. Die Hormone sollten erst einmal – wie soll ich es ausdrücken – richtig im Körper zum Wirken gekommen sein und alles was der Eintritt der Geschlechtshormone in Gang setzt, sollte sich gefestigt haben können. Dies ist je nach Geschlecht und Rasse sehr unterschiedlich, das wissen Sie als Züchterin nur zu gut. Als Richtwert könnte man 1 bis 1 1/2 Jahre nehmen, mal mehr, mal weniger. Ich kann nur immer wieder betonen, den Artikel der Autoren Gansloßer und Strodtbeck zu lesen, allerdings ist er sehr wissenschaftlich und man muß ein wenig Fachwissen mitbringen. Für Laien jedoch durchaus verständlich, er ist ja auch in einem Hundemagazin erschienen (er gilt aber für alle höheren Säugetiere).

    Wie Sie schon ganz richtig äußerten ist es nicht leicht einen Konsens zu finden. Aber das ist auch nicht das Wichtigste. Wichtig ist, daß wir alle es von Herzen gut mit den Katzen meinen sowie die Information in jede Richtung. Und es gibt auf diesen Seiten sicher viele verantwortungsvolle Katzenhalter, die weder einmal Katzenbabys haben, noch ihrer Katze das vollständige Ausreifen versagen möchten.

    In diesem Sinne,
    mit freundlichen Grüßen,
    Brigitte Büchner

  12. Lisa sagt:

    Frau Büchner,

    es ist ein bisschen ermüdend, dass Sie den Frühkastraten überwiegend absprechen, normale Katzen zu sein. Auch die haben „Freunde“ und „Feinde“ und bis auf die Fortpflanzung können sie auch alle ihre Verhaltensweisen ausleben. Wenn sie aber wissen, welche Feindschaften sich unter Katzen entwickeln können, dann weiß ich nicht, was negativ daran sein soll, dass diese auf einem niedrigen Niveau bleiben und die Frühkastraten sich gut in die unterschiedlichsten Gruppen einfügen. Ich weiß auch nicht, wie man bei Katzen von „kindlich“ sprechen kann.
    Katzen können unter Streitigkeiten sehr wohl leiden und wenn man erlebt hat, wie sie „aufblühen“, wenn sie sich diesen entziehen können, wird das nur bestätigt.

    Ich habe allerdings nicht gesagt, dass Streuner leiden, ihre Narben werden ihnen herzlich egal sein. Unsere Kater streiten und kuscheln danach wieder miteinander. „Leiden“ ist auch ein sehr relativer Begriff. Man kann auch unter etwas nicht leiden und sich trotzdem ohne es wohler fühlen 😉
    Von Leiden würde ich eher bei unbehandelter Krankheit, Hunger und im Tierheim sitzen sprechen…

    Die Kastration bis zur vollen körperlichen Entwicklung heraus zu zögern (die dann meiner Meinung nach deutlich länger dauern würde, aber nicht nur meiner Meinung und Erfahrung nach eben auch nicht von der Potenz abhängig ist) und mit diesen Tieren dann in reiner Wohnungshaltung zusammen zu leben, wird in den meisten Fällen unmöglich sein. Wer mal das Vergnügen mit markierenden Katern oder Katzen hatte weiß das.
    Schön, dass ihr Kater nicht streunte. Was, wenn es die Kätzinnen taten? Das ist mir dann doch etwas zu einfach gedacht.

    Den Artikel von Ganßloser/Strodtbeck kann ich dank wissenschaftlichen Studiums sehr gut lesen. Aber Hunde sind nunmal keine Katzen, da drehen wir uns im Kreis. Unser Hund wurde nie kastriert, seine Potzenz wurde aber nicht deutlich, wie sie es bei dem Großteil der unkastrierten Kater sehr wohl wird.

    Sicher gibt es auch verantwortungsvolle Katzenhalter, ein Blick in die Tierheime zeigt jedoch, dass es viel zu viele nicht zu sein scheinen. Die Streuner bleiben da sowieso außen vor. Wenn der Überpopulation nur durch Frühkastration Herr zu werden ist, dann sollte man dies unbedingt tun. Es gibt keine Nachteile, die dies nicht rechtfertigen können. Wie gesagt, von Autoimmunerkrankungen sprach bisher niemand und dass Freigänger sich nicht mit fremden Katzen verstehen, so what?
    Ich wünsche mir einfach nur, dass die Tierheime nicht mehr überfüllt sind mit Katzen, die keiner haben will.

    Mit freundlichen Grüßen
    Lisa Gomez Ringe

  13. Hallo Frau Büchner,

    ich habe noch einmal nachgeforscht und konnte nach wie vor nur tiermedizinische Artikel finden, die die Vorteile der Frühkastration unterstützen. In Ihrem Kommentar beziehen Sie sich leider nur auf den Artikel von Herrn Gansloßer und Frau Strodtbeck ein, der sich ja auf Hunde bezieht. Vielleicht können Sie mir ja abgesehen von dem von Ihnen zitiertem Artikel noch mit weiteren Quellen aushelfen?

    Vielen Dank und viele Grüße,

    Lena Landwerth

  14. Hallo in die Runde!

    Ich kenne Herrn Dr. Gansloßer persönlich, und habe bei ihm nicht nur Hunde- sondern auch Katzenseminare besucht.
    Auch bei den Katzen spricht er sich aus bereits o.g. hormonellen / neurobiologischen Gründen gegen die Frühkastration aus.
    Dies übrigens auch bei einem Katzenzüchter-Seminar, das ich letztes Jahr besucht habe.

    Beste Grüße!
    Andrea Schäfer

  15. Nachdem ich heute meine tierärztlichen Fachzeitschriften durchgesehen habe, mußte ich feststellen, daß seit 2005 allgemein nur sehr wenig über die Kastration als solche veröffentlicht wird, und alle Artikel beschäftigen sich nur mit dem Hund.

    In der „kleintier.konkret“ Nr. S1-2009 fand ich letztlich einen Artikel von Gerd Möbius von der Vetrinärmedizinischen Fakultät Leipzig: „Die Kastration beim Hund – Indikationen unter dem Blickwinkel des Tierschutzgesetzes“
    In dem Artikel spricht sich Möbius gegen die Frühkastration aus. Die präventive Wirkung auf die Entstehung von Mammatumoren (Gesäugeleistenkrebs) steht den Risiken der Komplikationen und unerwünschter Effekte gegenüber. Angeführt werden hier vor allem Inkontinenz und fehlende geschlechtliche Ausreifung mit einer Beeinflusssung der körperlichen und charakterlichen Entwicklung.
    Frühkastrierte Tiere haben einen verzögerten Epiphysenschluß und eine Verlängerung von Elle und Speiche, sprich die Tiere werden größer als später oder gar nicht kastrierte Tiere. Eine erhöhte Neigung zu Brüchen ergibt sich dadurch nicht, aber es könnte Veränderungen der Knochendichte geben.
    Es sei medizinisch schwer zu rechtfertigen, ein gesundes Organ prophylaktisch zu entfernen, das zur physiologischen Ausreifung essentiell ist (Günzel-Apel 1998).

  16. Liebe Leser,

    in der Leseprobe der aktuellen Ausgabe des Hundemagazins „SitzPlatzFuss“ gibt es einen Auszug aus einem Artikel der zwei Autoren: http://www.sitzplatzfuss.com/2011/01/06/druckfrisch-die-nummer-2-ist-da/

    Viele Grüße,

    Lena Landwerth

  17. Beate Wellhausen sagt:

    Hallo zusammen,
    lange wurde zu diesem Artikel nichts mehr geschrieben, ich würde ihn trotzdem gerne noch mal weiterführen.

    Dass es bei Katzen nicht zu unkontrollierter Vermehrung kommen sollte, darin besteht ja wohl Einigkeit.

    Allerdings möchte ich mal zwei ganz andere Aspekte zu bedenken geben.
    Wenn ich ungewollte Schwangerschaften mit Hormonen (Pille) verhindere, greife ich ganz massiv in den Hormonhaushalt ein. Wie die psychische und körperliche Entwicklung unter einer dauerhaften Scheinschwangerschaft ist, kann ich nicht ermessen. Natürlich ist das jedenfalls auch nicht.
    Und die Hormonproduktion voll in Gang kommen zu lassen, um sie dann komplett zu stoppen, dürfte für den Organismus auch eine erhebliche Belastung sein.

  18. Rita Lepitré sagt:

    Auch wenn es eine Weile her ist, ich möchte das Thema aufgreifen.
    Seit vielen Jahren habe ich Katzen. Alle, ohne Ausnahme, auf der Straße oder der Wiese aufgesammelt. Arme Wesen, deren Mütter, weil nicht kastriert, ganz natürlich, mindestens 3x im Jahr Kitten bekommen. Ein erheblicher Teil dieser Kitten verreckt auf das erbärmlichste, weil sie keiner findet.
    Der Rest landet bei den Tierschützern oder tierlieben Menschen, was ja meißtens, auf das Gleiche heraus kommt.
    Geht ins nächste Tierheim, auf die nächste Pflegestelle und sagt mir dann, man soll nicht früh kastrieren.
    Ich habe alle meine Findlinge zwischen dem 5. und 9. Lebensmonat kastrieren lassen. Es sind prächtige Tiere geworden, wenn sie wenigstens 4 Wochen Muttermilch hatten und es sind kleine, zierliche Tiere geblieben, wenn sie nach wenigen Tagen die Mutter verloren haben und mit Ersatzmilch aufgezogen wurden. Katzen kann man in keiner Weise mit Hunden vergleichen. Einmal rollig geworden muß das Tier einen Kater finden, der dem Zustand ein Ende macht. Meine, jetzt 11 Jahre alte Kätzin, habe ich gefunden, da wog sie 130gr. Die Handaufzucht war sehr schwierig, weil auch ein schlimmer Katzenschnupfen schon vorhanden war. Ein Auge wurde deshalb eingebüßt. Sie ist bisher nie schwerer als 3kg geworden. Weil sie so zierlich war, wollte ich mit der Kastration warten. Schon mit 5 1/2 Monaten wurde sie rollig. Nach 14 Tagen war das Schlimmste überstanden, doch eine Woche später ging es von vorn los. Ich hatte zu tun, einen Tag für die Kastration zu finden, wo sie nicht hochrollig war.
    Das hat etwa 6 Wochen gedauert. Bei der Kastration war sie also etwas über 6 Monate. Sie ist klein und zierlich, aber eine böse Katze *lach* andere Katzen mag sie nicht wirklich und ist unser begrenzender Faktor. Notfälle kann ich nur getrennt von ihr unterbringen und auch nur für kurze Zeit. Lediglich unser 7kg Katzer, auch ein Findelkind, kommt mit ihr aus. Er ignoriert sie einfach und dank seiner körperlichen Überlegenheit, kann sie ihm nicht viel anhaben.
    Ich bin also ein Verfechter der frühen Kastration, zum Wohle der Katzen.
    Selbst reine Freigänger, kommen als Kastraten besser zurecht und leben länger. Diese Beobachtung machen wir im Tierschutz.

  19. Karin N. sagt:

    Ich bin seit gut 9 Jahren ehrenamtlich im Katzentierschutz tätig und befürworte generell auch eine frühe Kastration. Allerdings würde ich eine Kastration im Alter von 5- 6 Monaten nicht mehr als Frühkastration bezeichnen. Im Gegenteil, für mich ist es Standard, dass halbjährige Vermittlungskatzen nur mehr kastriert abgegeben werden. Unter einer Frühkastration im herkömmlichen Sinne wird in der Literatur zumeist ein Eingriff bei Babykatzen verstanden. (also so bis 3- höchstens 4 Monate) So etwas lasse ich nur in ganz seltenen Notfällen bei ganz scheuen Streunerkatzenkitten machen, für die es keine Vermittlungsmöglichkeit gibt.

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