banner ad

Freigang – Nutzen und Gefahren

18. Mai 2016 | By | 4 Replies More

Foto: Shutterstock

Nicht jeder Katzenhalter möchte seine Katzen ausschließlich in der Wohnung halten, sondern ihnen den Zugang zur großen weiten Welt vor der Haustür ermöglichen. Manch einer wurde auch schon von seiner vermeintlichen Wohnungskatze überrascht, die plötzlich unmissverständlich deutlich machte, dass sie die Stubenhockerei satt hat. Doch bevor in so einem Fall einfach die Tür geöffnet und die Katze in die Freiheit entlassen wird, sollte sich jeder Besitzer erst einmal gründlich das Für und Wider durch den Kopf gehen lassen. Hat die Katze erst einmal die Luft der weiten Welt geschnuppert oder ist etwas passiert, ist es meist zu spät, die Entscheidung noch einmal rückgängig zu machen.

von Jessica Rohrbach

Freigang is schön - kann aber auch gefährlich sein! Foto: Shutterstock

Freilauf is schön – kann aber auch gefährlich sein! Foto: Shutterstock

Der Anblick eines jungen Kätzchens auf einer Wiese beim Spielen mit einer Pusteblume ist so ziemlich das Schönste, was man sich als Katzenhalter vorstellen kann. Freigängerkatzen leben noch halbwegs natürlich, können ihre Neugier auf vielfältige Art und Weise befriedigen, erleben ständig kleine Abenteuer und lassen es sich nach einem anstrengenden Tag schnurrend auf Frauchens oder Herrchens Schoß gut gehen. Doch so schön der Freigang für Katze und Halter auch sein kann, so schreckliche Gefahren können dort auch auf unsere vierbeinigen Weggefährten lauern. Dass für die Haltung einer Freigängermiez eine ruhige Wohngegend Grundvoraussetzung ist, muss wohl nicht extra erwähnt werden. Trotzdem lässt sich das Risiko für die Katze, vom Auto überfahren, geklaut oder verletzt zu werden, niemals vollkommen ausschließen.

Wer seiner Katze Freigang gewährt muss loslassen können und das nicht nur im Falle eines schrecklichen Verlustes. Ein Freigänger wird nie so für den Menschen verfügbar sein, wie eine Wohnungskatze. Während der Stubentiger sich ständig in der direkten Umgebung seines Besitzers aufhält, streunt sein freilaufender Artgenosse draußen nach Belieben herum, schmeichelt sich in anderen Haushalten ein und bleibt auch mal eine Nacht oder länger ganz außer Haus. Er benutzt die Beete der wenig erfreuten Nachbarn als Katzenklo oder hinterlässt unschöne Pfotenabdrücke auf seinem frisch geputzten Wagen. Einen Freigänger zu haben bedeutet, die Kontrolle über sein Tier abgeben zu müssen und im Falle eines durch ihn entstandenen Schadens auch dafür zu haften.

Schritt für Schritt zum sicheren Freigang

Während wohlbehüteten Wohnungskatzen in einer katzensicher eingerichteten Wohnung kaum Gefahren drohen, ist das Risiko für einen Freigänger schier unüberschaubar. An allen Ecken und Enden lauern Gefahren, vom Auto bis hin zum Hund oder Katzenhasser, der den kleinen Tigern an den Pelz will. Einige Risiken kann man vermindern, andere nicht. Sollten Sie sich dazu entschieden haben, Ihre Katze zum Freigänger zu machen, müssen darum zuerst ein paar Vorkehrungen getroffen werden, um wenigstens ein paar Gefahren zu minimieren:

Erkundigen Sie sich zunächst in der Nachbarschaft, ob Sie in einer katzenfreundlichen Gegend wohnen. Auch wenn die Umgebung noch so idyllisch wirkt, weiß es ein alteingesessener, leidgeplagter Katzenbesitzer doch oft besser. Ob in einer Gegend oft Katzen spurlos verschwinden oder eine scheinbar ungefährliche Straße schon viele Katzen das Leben gekostet hat, wissen Sie sonst erst, wenn Sie selbst davon betroffen sind.

Während wohlbehüteten Wohnungskatzen in einer katzensicher eingerichteten Wohnung kaum Gefahren drohen, ist das Risiko für einen Freigänger schier unüberschaubar. Foto: Shutterstock

Während wohlbehüteten Wohnungskatzen in einer katzensicher eingerichteten Wohnung kaum Gefahren drohen, ist das Risiko für einen Freigänger schier unüberschaubar. Foto: Shutterstock

Lassen Sie Ihre Katze erst mit einem gewissen Alter allein hinaus ins Freie, frühestens nach der Kastration. Erwachsene Katzen können Gefahren viel besser einschätzen als verspielte Kitten und wagemutige Jungkatzen. Kastrierte Tiere bleiben außerdem näher beim Haus und rennen nicht für ein Liebesabenteuer auf der anderen Straßenseite blindlings vor das nächste Auto.

Mikrochip oder Tätowierung können helfen, Ihre Katze bei Verlust wieder zu finden. Auch ein Halsband kann diesem Zweck dienen, jedoch können Katzen leicht damit hängen bleiben und sich im schlimmsten Fall strangulieren. Vor einigen Krankheiten und Parasiten helfen regelmäßige Impfungen, Entwurmungen und die Behandlung mit Spot-Ons gegen Zecken. Sind all diese Voraussetzungen erfüllt, geht es ans Eingemachte. Setzen Sie Ihre Katze beim ersten Freigang nicht einfach vor die Tür, sondern begleiten Sie sie. Öffnen Sie die Tür und warten Sie, ob sich Ihre Miez heraustraut. Die meisten Katzen werden die neue Umgebung erstmal nur sehr vorsichtig erkunden und bei jedem ungewohnten Geräusch im Haus verschwinden. Lassen Sie die Tür darum in den ersten Tagen stets geöffnet, damit sich Ihre Katze bei Gefahr schnell ins traute Heim flüchten kann. Beginnen Sie erst mit ein paar Minuten Freigang am Tag und steigern Sie sich. Das Tempo gibt Ihnen Ihre Katze vor. Langsam wird sie in Ihrem Beisein ihr neues Territorium erkunden, bis sie sich nach ein paar Tagen immer weiter entfernt und schließlich ganz allein auf Entdeckungstour geht.

Und dann bleibt nur noch zu hoffen, dass Katz und Halter nur die schönen Seiten des Freigangs kennen lernen. Der Anblick einer Katze, welche die Natur mit allen Sinnen genießen und ihren Bewegungsdrang auf ganz natürliche Art und Weise ausleben kann, ist schließlich kaum zu ersetzen.

Zum Weiterlesen:

Test „Streuner oder Stubentiger?“

Zum Weiterlesen:
Raubtier Katze – kleine Jagd- und Beuteanalyse
Fundkatze. Was nun?
Beschäftigung für Draußenkatzen
Neues Jagdgesetz in NRW
Wenn die Mieze zum Arzt muss: Tierkrankenversicherungen
Kleine Wunden selbst behandeln

Buchempfehlungen:
Jessica Rohrbach: Kleine Freiheit vor der Haustür. Cadmos 2013

"Kleine Freiheit vor der Haustür"

„Kleine Freiheit vor der Haustür“

Möchten Sie mehr zum Thema erfahren? „Kleine Freiheit vor der Haustür“ von Pfotenhieb-Redaktion Jessica Rohrbach ist ein Rundumwerk für Halter von Katzen mit Freilauf. Von der Vorbereitung auf den ersten Ausflug bin hin zu Tricks, wie man die Katze nach Hause lockt – hier finden Halter von Freilaufkatzen und solche, die es werden wollen, viele wichtige Tipps und Tricks! Hier finden Sie weitere Informationen zum Buch sowie eine kleine Buchvorschau.

Tags: , , , , , , , ,

Category: Allgemeines, Katzenleben

Comments (4)

Trackback URL | Comments RSS Feed

  1. Felina sagt:

    Sehr guter Artikel :)
    Ich bin auch der Meinung, dass man Katzen den Freigang, sofern halbwegs sicher möglich (halbwegs, weil man eben einfach nie ganz sicher sein kann) erlauben sollte, weil ihnen das einfach so viel geben kann, was man ihnen im Haus trotz Spielzeug, Katzengefährten und Zeit nicht geben kann…
    Ich habe bislang glücklicherweise auch nur gute Erfahrungen gemacht… das einzige „negative“ ist, dass meine Katzen, seit wir im Haus mit Garten wohnen und sie eben Freigang haben, sehr oft Würmer haben, aber da wird dann halt einfachmal alle paar Monate Profender gegeben und es hat sich.
    Sicherer ist zwar klarerweise die Wohnung, aber ich glaube dennoch, dass ein Leben draußen, auch wenn das Risiko besteht, dass ihnen etwas passiert, schöner und erfüllter ist, als hinter den vier Wänden zuhause. Ich würde auch lieber ein risikoreicheres, dafür abenteuerreicheres Leben führen, als ein behütetes, bei dem ich mich dauerlangweile :)

  2. Lilith sagt:

    Leider fehlt im Beitrag die goldene Mitte:
    Der gesicherte Freigang.
    Meine beiden Katzendamen haben im Garten ein ein- und ausbruchsicheres Gehege incl. Gras, Blumenbeet, Kratz-, Schlaf- und Spielmöglichkeiten.
    Sie genießen es sehr draußen zu sein und ich muss nicht fürchten, dass ihnen Schlimmes zustoßen könnte.

  3. Tanja sagt:

    Ja, da stimme ich Dir zu, Lilith.

    Ich bin gerade bei Verwandten zu Besuch und heute ist die Katze überfahren worden, trotz ruhiger Wohngegend, mit 3 Jahren Erfahrung und schon einem erlebten Autounfall. Man sagt ja immer, dass Katzen nach einem überlebten Unfall viel vorsichtiger werden. Wir sind alle hier sehr traurig.
    Meine junge Katze habe ich daher von Anfang an an das Geschirr gewöhnt. So können wir nach Herzenslust im Wald spazieren gehen und ich habe sie trotzdem immer sicher. Ein gesicherter Garten ist für uns aber noch ein Traum.

  4. Lukas sagt:

    Na ich weiß nicht, Katzen mit Leine? Der Trend setzt sich durch, aber ich kann das nicht wirklich unterstützen. Ich finde einfach, dass Katzen damit nicht glücklich wirken. Meine sind Freigänger und laufen manchmal ein Stück mit wenn ich spazieren gehe. Aber mit Leine wären sie bestimmt nicht glücklich.
    Ich hab gerade einen Beitrag zum Thema Freiläufer gelesen https://www.katzen-abc.com/wohnungskatze-freigaenger/. Und alles in allem kann ich der Aussage dass Freiläufer die natürlichere Variante sind, nur zustimmen.

Leave a Reply

Anti-Spam Quiz: