Katzvard: Weiterbildung für Katzenfreunde

Internetforen und Fachbücher waren noch vor wenigen Jahren die primären Quellen für Katzenfreunde, die ihren Horizont erweitern und mehr über ihre vierbeinigen Familienmitglieder wissen wollten. Egal, ob es um spezifische Krankheiten, Ernährungsprobleme oder einfach nur den Austausch von Meinungen ging: Hier traf mal Gleichgesinnte, diskutierte und lernte dazu. „Mutatio sola perpetua est“ – allein Veränderung ist fortwährend und so unterliegt auch das Internet einer Evolution und mit ihm die Möglichkeiten, die sich Katzenhaltern bieten. In den letzten Monaten ist ein neuer Trend hinzugekommen. „Katzvard“ heißt die virtuelle Akademie für Katzenthemen.

von Lena Landwerth

Logo_20140731Das Konzept klingt einfach: Nach ihrer Anmeldung können sich Katzenfreunde sofort mit Gleichgesinnten im Forum der Akademie austauschen. Ab Kursbeginn stehen dann die entsprechenden Lehrmaterialien online bereit und können von den Teilnehmern nach eigenem Zeitplan bearbeitet werden. Neben Theorie gehören auch ein Einblick in die Praxis sowie Hausaufgaben zum Lehrstoff.
Die Gründerinnen sind keine Unbekannten: Anika Abel ist Fachautorin für Katzenthemen und Gründerin, Herausgeberin und Chefredakteurin von haustiger.info. Ihre Mitstreiterin Silke Falkus wird Katzenfreunden als fleißige Bloggerin von The3cats bekannt sein. Dass beide Dozentinnen Perfektionisten sind und Dingen gerne auf den Grund gehen, zeigen sie Tag für Tag auf Ihren Homepages und durch ihre Aktivität in diversen Katzenforen und auf Facebook.

Katzvard – eine völlig neue Art, dazuzulernen. Wir haben einmal hinter die Kulissen geblickt und mit den beiden Gründerinnen über ihre Motivation und den Alltag in einer „Virtuellen Akademie für Katzenthemen“ geredet.

Hallo Anika, hallo Silke! Eine virtuelle Akademie für Katzenfreunde – das klingt nach einer tollen Idee! Wie seid ihr darauf gekommen, eine derartige Fernuniversität für Katzenthemen zu gründen?

Anika: Die Idee spukte mir schon länger im Kopf herum. Allerdings fehlte immer so ein bisschen der Mut zum letzten Schritt. Kurse mit dem Anspruch abzuhalten, wie mir das vorschwebte, ist mit relativ großem Aufwand verbunden, der allein nur schwer zu bewältigen ist. Außerdem habe und hatte ich ja mit den „Haustigern“ eigentlich schon ein relativ großes Projekt, das es zu pflegen gilt. Aber die Idee hat mich nie losgelassen. Als sich Silke dann bereiterklärte, mitzumachen, war es bis zur Realisierung nur noch ein kleiner Schritt.
Speziell für Katzenhalter gibt es nur sehr wenige fundierte Kurse, noch weniger im Internet. Gerade im Bereich Ernährung richten sich viele Angebote (auch Ausbildungen zum Ernährungsberater) vorwiegend an Hundefreunde mit der Katze als „Nebenfach“. Das wollten wir ändern.

Wie kam es zu dem Namen?

Silke: Also das mit dem Namen geht auf die Kappe von Professor Jasper. Jasper ist der kätzische Mitbewohner und ein Teil von „the3cats“. Er bloggt aus Katzensicht u.a. über Ernährungsthemen und weil er so schlau ist, hat er sich selbst einfach mal so zum Professor ernannt. Ein Professor braucht natürlich auch einen Lehrstuhl an einer Uni und weil in der Katzenwelt alles durch „Miez“ und „Katz“ ersetzt wird, heißt die erfundene Elite-Uni an der er lehrt dann eben Katzvard. „Miezford“ und „Meowale“ klangen nicht so gut. Als ein Name für das Projekt gesucht wurde war Jasper dann gnädigerweise bereit den Namen abzutreten. Für ihn ändert sich ja auch wenig. Neben der Kükenexpertin Emma (Anm.d.Red.: Mitbewohnerin von Anika) ist er als Maskottchen im Katzvard-Forum aktiv und gibt Tipps und die beiden lockern das anstrengende Thema ‚Lernen‘ ein wenig auf.

Ein tolles, wenn auch aufwendiges Projekt. Wie organisiert ihr Euch untereinander, wie sieht Euer Alltag während der Kurslaufzeit aus?

Anika: Nachdem wir ja doch einige hundert Kilometer voneinander entfernt wohnen, läuft eigentlich die gesamte Kommunikation via Internet. Da wird auch schon mal geblödelt und prokrastiniert, mal sind wir gleicher Meinung, dann wieder unterschiedlicher, aber alles in allem können wir uns meistens schnell einigen *lach*

Silke: Ja, dass Anika eigentlich denselben Sinn für Humor hat erleichtert vieles. Das entspannt die teilweise sehr anstrengenden Arbeiten schon mal. Wir möchten unseren Studenten einen Wissensstand bieten, der auch die nächsten Jahre up-to-date ist und viele Ergebnisse müssen wir uns mühsam zusammensuchen. Wir wollen uns auch absichtlich nicht an den ganzen Aussagen in Foren oder Gruppen orientieren und recherchieren alles komplett neu. Ich denke, dass wir unseren Studenten dadurch auch schon das ein oder andere Highlight bieten konnten.
Die Arbeit ist da, wir haben ja beide einen „richtigen“ Job neben Katzvard, aber wenn das Skript für die jeweilige Lektion dann fertiggestellt ist, dann ist das schon ein tolles Gefühl. Neben den Skripten gibt es dann noch Hausaufgaben durchzusehen und zu bewerten und natürlich die Fragen im (Lern-)Forum zu beantworten. Auch versuchen wir Videos mit einzubringen, wo das möglich ist. Das Visuelle ist dann eher mein Part. Anika kümmert sich um die Buchhaltung und das Organisatorische, das ist ganz gut geteilt.

Kommen wir nun zu den Katzvard-Kursen. Ihr richtet Euch gezielt an Katzenfreunden, die Interesse an ernährungswissenschaftlichen Themen haben und mehr über die artgerechte Haltung ihres Stubentigers erfahren möchten. Sollten die Teilnehmer bestimmte Vorkenntnisse mitbringen und schon das ein oder andere Fachbuch durchgearbeitet haben? Oder eignen sich Eure Kurse auch für Katzenneulinge, die gleich den richtigen Einstieg in die Katzenhaltung finden möchten?

Silke: Wir haben uns eigentlich Mühe gegeben die Kurse aufeinander aufbauend zu gestalten *lacht* Für den Anfängerkurs benötigt man keine wirklichen Vorkenntnisse, es hilft aber mitunter die einzelnen Lektion etwas schneller zu verstehen, wenn man bereits ein paar Fachbegriffe kennt. Was Katzenhaltern bewusst sein sollte, ist, dass man einiges an Zeit investieren muss. Wir können das Wissen nur aufbereiten, aber aufnehmen muss es der Einzelne am Ende selbst. Aber in einen leeren Eimer bekommt man natürlich mehr Wasser hinein als in einen halb vollen, deswegen sind Anfänger immer herzlich willkommen.
Die Fortgeschrittenenkurse oder der Spezialkurs fordern natürlich schon einiges an Vorkenntnissen. Wer sich unsicher ist, der kann uns aber auch gerne fragen.

Anika: Wer also die BARF-Einführung absolviert hat, hat genug Wissen an der Hand, um den Fortgeschrittenenkurs zu besuchen. Unser Fertigfutterkurs ist ohne Weiteres auch für Neukatzenhalter geeignet.

Die Kursgebühren sind mit knapp 60 Euro recht günstig. Was erhalten die Kursteilnehmer dafür?

Anika: Uns war es wichtig, Preise anzusetzen, die für die meisten Interessierten bezahlbar sind. Die tiergerechte Haltung und Ernährung von Katzen liegt uns sehr am Herzen und wir wollten möglichst vielen Katzenhaltern die Möglichkeit geben, mehr über die ihnen anvertrauten Geschöpfe zu erfahren und deren Leben so katzengerecht wie möglich zu gestalten.

Silke: Unsere Teilnehmer bekommen für die Kursgebühr rauchende Köpfe, wunde Finger und rote Augen von den Nächten, die sie sich qualvoll um die Ohren schlagen müssen. Geknechtet und an den Schreibtisch gefesselt. Für 8 Wochen.
Nee, Spaß. Es gibt den Zugang zum Lernforum in den entsprechenden Hörsaal. Dort warten neben einem umfangreichen Skript zu jeder Lektion und den bereits angedrohten Hausaufgaben und einer Abschlussprüfung auch sehr nette Kommilitonen, mit denen man sich während der ganzen Zeit austauschen kann.
Und Professor Jasper möchte noch anmerken, dass es ihn und Emma natürlich auch im Forum gibt.
Allein das wäre schon das Geld wert, maunzt er.

Bisher gibt es mehrere Kurse zum Thema BARF sowie „Fertigfutter A bis Z“. Was ist noch geplant?

Silke: Wir als Dozenten möchten uns natürlich ebenfalls weiterbilden und haben uns schon ein paar spannende Themen herausgesucht, die uns interessieren. So sind neben den Ernährungsthemen auch ein Kräuterkurs geplant und in absehbarer Zeit auch ein Kurs zum Dauerbrenner ‚Impfen‘. Darüberhinaus sind aber eigentlich alle Themen denkbar, die wir selbst spannend finden und in denen wir sattelfest sind.

Anika: Ein Thema, das speziell mir sehr am Herzen liegt und zu dem es auch in Kürze einen Kurs geben wird, ist das Thema Kind und Katze, da in dem Bereich doch noch sehr viel Unsicherheit herrscht. Dazu gehört zum Beispiel auch das Thema Katzen barfen während der Schwangerschaft.

Gibt es eine Maximalanzahl an Teilnehmern pro Kurs?

Anika: Aktuell liegt die maximale Teilnehmerzahl pro Kurs bei 40 Personen.

Laut Eurer Homepage sind die Kursmaterialien jedes Kurses ab Kursbeginn verfügbar und können von den Teilnehmern so durcharbeiten werden, wie es ihnen zeitlich passt. Dazu gibt es auch Hausaufgaben und praktische Übungen. Das hört sich trotz aller Flexibilität nach einer zeitaufwendigen Angelegenheit an – für die Teilnehmer und auch für Euch als Dozenten! Wie viel Zeit sollten die Teilnehmer für die etwa achtwöchige Kursdauer einplanen?

Silke: Der Zeitaufwand hängt ja auch ein bisschen vom Teilnehmer ab. Da es bei den Katzen so viele Besonderheiten gibt, ist bei so einem eigentlich praktischen Thema wie Katzen barfen natürlich sehr viel Theorie dabei. Wir stellen die einzelnen Lektionen immer nacheinander ein. Für die einfachen Themen gibt es dann im Schnitt vier Tage Zeit und für die komplexeren Lektionen dann auch mal sieben oder acht Tage. Eine „Nur-Text“ Version der Skripte wird auch ins Forum eingestellt, so dass man zum Beispiel bei unerwarteten Wartezeiten mit dem Handy von unterwegs (oder in Bus und Bahn) die Möglichkeit hat, in den Lektionen zu lesen.
Uns liegt wie gesagt sehr daran, dass die Teilnehmer in die Welt hinaus gelassen werden und ihre Katzen sicher und richtig ernähren können. Wir möchten nicht das schnelle Geld einsacken und die Teilnehmer nach 8 Wochen aus dem Hörsaal kicken. Aufgrund verschiedener persönlicher Umstände einiger Teilnehmer, weswegen diese gerade bei den letzten Lektionen in Zeitnot gerieten, haben wir den aktuellen Kurs beispielsweise etwas verlängert, damit auch wirklich alles sitzt. Ab der Lektion 8 muss in der BARF-Einführung zum Beispiel auch von der Pieke auf gerechnet werden, was sicher etwas zeitintensiver ist.
Mit drei bis fünf Stunden pro Woche sollte man eigentlich ganz gut hinkommen. Das macht über die acht Wochen dann rund 40 Stunden.

Was ich besonders toll finde ist, dass 10 Prozent der Kursgebühren als Spende an gemeinnützige Tierorganisationen gehen. Wonach wählt ihr die jeweiligen Vereine aus?

Anika: Das ist unterschiedlich. Bisher waren es eigentlich meistens Vereine, mit denen wir in irgendeiner Form zu tun hatten und/oder deren Arbeit wir schätzen. Auf Katzen in Not sind wir zum Beispiel im Zuge der Vermittlung der beiden Ataxiekater Findus und Filou über den Verein Feline Senses – Lebensfreude für Katzen mit Ataxie e. V. aufmerksam geworden, in dem wir beide ehrenamtlich aktiv sind. Bei Silke lebt ja mit Jinpa auch ein Ataxist. Wir sind aber auch für Vorschläge offen.

Silke: Uns ist dabei auch wichtig, dass das Geld direkt an die Tiere geht. Wir gucken uns die Organisation schon an. Was wir immer suchen, das sind die stillen, vergessenen Organisationen, die mehr handeln als nach Geld zu rufen und die immer für die Tiere da sind. Wenn wir solch eine Organisation finden, dann macht uns das auch sehr viel Freude diesen etwas geben zu dürfen.

Was ist Eure Vision für das Jahr 2015? Wie soll es weitergehen?

Anika: Wir freuen uns auf zahlreiche wissbegierige Teilnehmer in unseren Kursen und hoffentlich viele gesund ernährte Katzen im Anschluss. Wie schon erwähnt, haben wir noch einige spannende Kursthemen auf Lager, die es umzusetzen gilt. Und vielleicht wird neben den Kursen auch noch ein weiteres spannendes Vorhaben umgesetzt.

Es bleibt also spannend! Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen und viel Erfolg beim Umsetzen Eurer Ideen!

Link:
Katzvard – Virtuelle Akademie für Katzenthemen

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