Grundlagen Katzenernährung: Katzenfutteretiketten entschlüsselt

Das Thema Katzenfutter erhitzt seit Jahren die Gemüter. Kein Wunder, gehen die Qualitätsvorstellungen der Katzenhalter und die von den Herstellern als ökonomisch gesehene Zusammensetzung doch weit auseinander… Wir haben eine kleine Übersicht erstellt, was auf dem Futteretikett stehen sollte, was nicht – und welche Schlupflöcher die Futterproduzenten haben.

Von Lena Landwerth

Gerade auf frischgebackene Katzenhalter können Katzenfutteretiketten beängstigend wirken... Foto: Shutterstock
Gerade auf frischgebackene Katzenhalter können Katzenfutteretiketten beängstigend wirken… Foto: Shutterstock

Gutes Katzenfutter sollte die Fellnase mit allem versorgen, was sie für ein langes Leben braucht. Doch damit nicht genug. Sie sollte auch möglichst frei von Zusatzstoffen sein, die der Katze schaden können – und möglichst auch von „leeren“ Kalorien, die keinen Nährwert für unsere Stubentiger bieten. „Du bist, was Du isst“: Dieser viel zitierte Spruch gilt schließlich auch für unsere Katzen. In wissenschaftlichen Studien wurde herausgefunden, dass Katzen Nahrung bevorzugen, deren Zusammensetzung der der Maus entspricht – der natürlichen Nahrungsquelle des Fleischfressers Katze. Dieses Beutetier besteht aus etwa 85 Prozent Fleisch, darunter Muskelfleisch. Bindegewebe und Organen. Den Rest machen pflanzliche Bestandteile im Magen-Darm-Trakt, Knochen und Federn aus. Die durchschnittliche Maus besteht so in der Regel aus 50 bis 60 Prozent Protein, 20 bis 30 Prozent Fett und drei bis acht Prozent Kohlenhydraten aus dem Inhalt des Magen-Darm-Trakts des Tieres.

Was auf dem Etikett stehen sollte – und was nicht
Fleisch
Es ist also nicht verwunderlich, dass Fleisch an der ersten Stelle der Inhaltsliste stehen sollte. Doch wer kennt schon den Unterschied zwischen Geflügelfleischmehl, Huhn, Hühnerfleisch und Geflügelmehl? „Huhn“ und „Hühnerfleisch“ bezieht sich auf die ungetrocknete Masse, die Zutaten mit „-mehl“ sind schon getrocknet und zerkleinert. Das gilt auch für „getrocknetes“ oder „dehydriertes“ Huhn. „Hühnerfleisch“ bezeichnet ausschließlich Muskelfleisch, „Huhn“ bedeutet, dass neben Muskelfleisch auch alle Nebenprodukte des Schlachttiers enthalten sind. Natürlich lässt sich diese Unterscheidung auch auf Lamm, Rind, Kaninchen und alle anderen Fleischsorten im Katzenfutter übertragen.

Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse
Diese Angabe ist auf fast jeder Katzenfutterdose zu finden – und zwar nicht nur auf Supermarktsorgen. Doch was ist damit genau gemeint? Die Beschreibung „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ weist darauf hin, dass neben reinem Muskelfleisch auch sämtliche Neben- und Abfallprodukte wie Organe, Federn und Sehnen enthalten sind. Hier ist Vorsicht geboten: Zwar führt die Fütterung von reinem Muskelfleisch zu Mangelerscheinungen, doch auf der anderen Seite sind nicht alle Innereien und vor allem Abfallprodukte wie Horn und Fell gut verwertbar für die Katze und werden oft als minderwertiger Proteinbestandteil eingesetzt.
Diese Substanzen lassen den prozentualen Proteinbestandteil des Futters nach oben schnellen, ohne gut verwertbar zu sein. Ein gutes Futter erkennt man deshalb auch daran, dass es die enthaltenen Nebenerzeugnisse genau auflistet. Denn auch hochwertige Innereien wie Magen und Herz sollten nicht den Großteil der Inhaltsstoffe stellen. Ebenso ist ein hoher Anteil an Leber mit Vorsicht zu genießen: Leberfleisch enthält zwar viele Vitamine und Mineralstoffe, als Entgiftungsorgan des Körpers aber auch einige schädliche Substanzen.

Das natürlichste Futter der Katze... Foto: Shutterstock
Das natürlichste Futter der Katze… Foto: Shutterstock

Analyse
Neben den Inhaltsstoffen wird auf vielen Futtermitteletiketten die sogenannte „garantierte Analyse“ angegeben. Es handelt sich um eine quantitative chemische Analyse der im Futter enthaltenen Stoffe. In den meisten Fällen finden Sie Prozentangaben zu Rohprotein, Rohfett, Rohasche, Rohfaser und Feuchtigkeit, manchmal auch Angaben zu Vitamin- und Mineralstoffgehalt. Dem Katzenhalter gibt die Analyse die Möglichkeit, den Gehalt von Protein, Fett und Kohlenhydraten einzuordnen, mit der Zusammensetzung der natürlichen Katzennahrung (Maus) oder anderen Katzenfuttersorten zu vergleichen und so die Qualität des Futters zu bewerten. Als Richtwert gilt: Gutes Katzenfutter enthält etwa 50 bis 60 Prozent Eiweiß und 20 bis 30 Prozent Fett. Der Anteil von Kohlenhydraten, abschätzbar durch die Angabe der Rohfaser, sollte maximal 5 Prozent betragen.

Was nicht ins Katzenfutter gehört
Dass viele Inhaltstoffe, die nicht in der Katzennahrung auftauchen sollten, unaussprechlich sind, kommt den Tierfutterherstellern nur entgegen. Denn nicht jeder Katzenfreund ist sich sicher, ob „Karamell“ wirklich schädlich ist und was die exotischen Abkürzungen E 324 und BHT bedeuten…

Dabei gibt es eine Menge Zusatzstoffe, die der Gesundheit Ihrer Katze nicht nutzen oder sogar schaden können!

...und das, was daraus geworden ist. Foto: Shutterstock
…und das, was daraus geworden ist. Foto: Shutterstock

Farbstoffe und Geschmacksverstärker
Sie erhöhen die Akzeptanz der Futtersorte, haben aber keinerlei Nährwert für die Katze. Besonders beliebt und billig ist Zucker, der in der Zusammensetzung oft auch als „Karamell“ oder „Dextrose“ auftaucht. Finger weg von Futter und Leckerlis mit Zuckerzusatz! Er erhöht das Risiko für Diabetes und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse erheblich.

Chemische Konservierungsstoffe und Antioxidantien
Diese verhindern das Ranzigwerden von Fett und werden dem Futter zugesetzt, um eine längere Haltbarkeit zu erreichen. Zu den chemischen Konservierungsstoffen gehören Natriumsulfat, -bisulfat und -nitrit, Ethoxyquin (E 324), Butylhydroxanisol (BHA oder E 320), Butylhydroxytoluol (BHT oder E 321) und Propylgallate. Diese Stoffe haben unterschiedliche, meistens unerwünschte Nebenwirkungen. Besser sind natürliche Konservierungsstoffe wie Vitamin C und E, die allerdings auch oft chemisch hergestellt werden.

Digest
Hierbei handelt es sich um eine durch den Aufschluss von tierischen Nebenprodukten chemisch hergestellte Flüssigkeit, die die Akzeptanz der Nahrung erhöht und darum gerne auf Trockenfutter aufgesprüht wird. Um den Aufschlüsselungsprozess während der Herstellung zu stoppen, wird dem Digest Phosphorsäure hinzugegeben. Diese erhöht aber die weitere Säureaufnahme aus dem Katzenfutter in den Körper und kann so dauerhaft zu einer Übersäuerung des Harns und der Entstehung von Nierensteinen. Führen.

Knochenmehl und undefinierte Fette, Grieben
Hinter diesen Begriffen versteckt sich häufig nur billiger Abfall aus Tierkörperbeseitigungsanstalten. Derartige Nebenerzeugnisse sind vom Katzenkörper nur schlecht verwertbar und belasten die ausscheidenden Organe wie Nieren und Leber.

Pflanzliche Inhaltsstoffe
Diese sind auch in vielen ausgewogenen Katzenfuttersorten enthalten, sollten aber nicht mehr als fünf bis maximal zehn Prozent des Futters ausmachen. Zu den pflanzlichen Inhaltsstoffen gehören beispielsweise Getreide, Cellulose, Cerealien, Eiweißextrakte, Kleie, Kleber und Bäckereierzeugnisse, in denen auch Zucker enthalten sein kann.

Carragene
Carrageene sind langkettige Kohlenhydrate, die in Rotalgen vorkommen. Gewonnen werden Carrageene durch langes Kochen von Rotalgen in alkalischer Lösung. Die Katzenfutterindustrie setzt sie gerne als Verdickungsmittel im Nassfutter ein. Das Problem dabei? In Tierversuchen mit abgebauten (degradierten) Carrageenen kam es zu Geschwürbildungen im Verdauungstrakt. Weitere Studien zeigten eine Beeinflussung von Makrophagen nach Carrageen-Injektion. Doch kaum ein Tierfutterhersteller produziert ohne das günstige Verdickungsmittel Carrageen, das unter der europäischen Zulassungsnummer E 401 für Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen ist und auch als Karragheen, Karrageen oder Fucelleran deklariert sein kann. Selbst hochwertige Sorten wie Felidae und Ziwi Peak enthalten den riskanten Zusatzstoff…

Darum: Augen Auf beim Futterkauf! Foto: Shutterstock
Darum: Augen Auf beim Futterkauf! Foto: Shutterstock

Lassen Sie sich nicht entmutigen. Auch, wenn Sie nicht zu den Rohfütterern gehören oder Ihr Katzenfutter selber kochen, ist es nicht unmöglich, die richtige Nahrung für Ihre Katze (und Ihren Geldbeutel) zu finden! Für alle, die sich gerade erst auf die abenteuerliche Suche nach dem perfekten Katzenfutter begeben, haben wir hier einen kleinen Spickzettel erstellt:

Die Zusammensetzung eines guten Katzenfutters sollte wie folgt aussehen:

  • Fleisch steht an der ersten Stelle der Zutatenliste, möglichst mit Prozent- und Sortenangabe
  • Fleisch ist bei Trockenfutter in getrockneter Form angegeben. „Frisches Fleisch“ hört sich hier zwar besser an, doch nach Wasserentzug rückt der tatsächliche Fleischgehalt dann oft an das Ende der Zutatenliste…
  • Pflanzliche Bestandteile wie Getreide und Gemüse werden exakt spezifiziert
  • Nebenerzeugnisse sind entweder nicht enthalten oder extra aufgelistet
  • Es gibt keine weiteren undefinierten Inhaltsstoffe wie Fette oder Bäckereinebenerzeugnisse

Viel Erfolg – und stöbern Sie auch in unseren weiteren Artikeln zum Thema „Katzenernährung„!

Zum Weiterlesen:

Die Bürokratie des Katzenfutters
Chaos im Futternapf
Nahrungsergänzung mit Taurin – natürlich oder künstlich?
Fertigbarf unter der Lupe
Nahrungsergänzungen – was braucht meine Katze?
Nährstoffbedarf meiner Katze: Kalorienrechnerei für Faule
Unterschätztes Süßzeug: Wie gefährlich ist Zucker in der Katzennahrung wirklich?

Buchempfehlung:
Wegweiser Katzenfutter

Ein Gedanke zu „Grundlagen Katzenernährung: Katzenfutteretiketten entschlüsselt

  • 10. April 2017 um 16:33
    Permalink

    Hallo, Ich habe noch eine Frage zu den Katzenfutteretiketten.
    Was bedeutet Hühnerprotein? es geht um das Futter REAL NATURE WILDERNESS.
    Vorne: 70% hochwertiges Geflügel, Lamm, Wildschwein. Hinten: Hühnerprotein, Lammprotein, Wildschweinprotein. Ist das einfach nur ein anderes Wort für Fleisch? Weil eigentlich heißt das ja Eiweiß ?

    Liebe Grüße Claudia

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